Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

68 Oppermann:
Während der Herrschaft der Grafen zur Hoya, d.h.
bis zum Jahre 1582 scheint ein anderes Verfahren als
ein mündliches und öffentliches, in welchem der Bür-
ger und Bauer das Recht von seinem Genossen gespro-
chen bekam, nicht stattgefunden zu haben. Es gab Bei-
oder Gohgerichte und ein höheres Landgericht.
Letzterem wurden seit Anfang des 16. Jahrhunderts in
wichtigen Sachen auf Verlangen der Urtheilsträger
gelehrte und vornehme Personen beigeordnet. Die
Gohgerichte waren zugleich Bruch- und Wrogenge-
richte. Von den gräflichen Statthaltern und Beamten
am Hause Hoya wurde daneben nur eine Art freiwilli-
ger Gerichtsbarkeit, eine gewisse beschränkte Polizei
und Kriminaljurisdiction auSgeübt. Das Land-und
das Gohgericht wurden jedoch im Namen der Grafen
gehalten, und präsidirte demselben ein Beamter des
Grafen.
Ich schließe dieß aus Folgendem:
Das Erbregister von 1582 enthält den Titel:
„Der Durchlauchtigste, Hochgeborene Fürst Herr Wilhelm der
Jüngere, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, unser gnä-
digster Fürst und Herr, hat im Ambt Hoya allein, ohne
einige Contradiction, die hohe und landesfürstliche Obrigkeit,
und Jurisdiction, die Gerichte ho Heftes und siedest, oder
wie mans im Ambte nennt, die Bei- und Untergerichte
und das Landgericht, althergebrachten Gebrauch, Gewohn-
heiten und Gerechtigkeit, so weit und ferne als sich die
Grenze und Schnede des Ambts Hoya erstreckt."
Hier ist offenbar das Landgericht als das höchste, die Bei-oder
Gohgerichte als Niedergerichte bezeichnet.
Sodann enthält dieß Erbregister aber nachstehende Notiz,
welche in das Erbregister von 1585 pag. 96 wörtlich wieder aus-
genommen ist:
„Die Landgerichte werden des Jahrs etzliche Male, nachdem es
die Nothdurft und Gelegenheit der Sachen und Parteien er-
fordert, gehalten, und sind bisher die Siebenmeyer *) als

l) Es gibt im Amte Hoya sechs große Bauernhöfe, welche Sieben«

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