Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

RechtSqueüen der Schweiz. 817
Stadtrechte nicht entnehmen; doch scheinen die Zünfte hierbei nicht
eingewirkt zu haben, da sich keine Spur eines Zusammenhanges der-
selben mit der Stadtverfassung vorfindet. An die Stelle der Ge-
meinde scheint aber später ein großer Rath als Ausschuß der-
selben getreten zu sein; daher nunmehr Schultheiß, Rath und
großer Rath (Art. 188) oder Schultheiß, Klein und Groß-
rät he (Art. 192 u. 195) als Organe der gesetzgebenden Gewalt
aufgeführt werden. Mit dem großen Rathe identisch war aber wohl
die kleine Gemeinde im Gegensätze zur großen (Art. 185).
Neben den hier angedeuteten Bestimmungen, welche über die
Verfassung der Stadt DiessenHoven und deren Fortentwick-
lung Licht werfen, und in denen man auch bei einem genauern
Studium ein höchst schätzbares Material für die Geschichte der
deutschen Städteverfassung finden wird, enthält unser Stadtrecht
eine Reihe anderer sehr interessanter Vorschriften, von denen
freilich verhältnißmäßig die wenigsten privatrechtlichen Inhalts sind.
Unter diesen letzter« sind vorzüglich hervorzuheben die Bestimmungen
über Eheverlöbnisse (Art. 23), so wie diejenigen über den Abzug,
der als die Verpflichtung erscheint „sin anzal u. sinen tail (zu)
geben an den geltschulden so die Burger von gemainer Statt
wegen denne gelten sond“ (Art. 95), wofern der Wegziehende
nicht unter Vorbehalt der Freizügigkeit ins Bürgerrecht ausgenommen
worden war (Art. 199).
Doch wir brechen hier ab, indem wir an die Worte erinnern,
mit welchen die oben erwähnte, von einer uns unbekannten Hand
geschriebene Anzeige des Isten Hefts der Schaubergischen Zeit-
schrift in den Krit. Zahrb. schloß. „Der Herausgeber, hieß es
„dort, wünscht nur die Deckung der Druckkosten. ... Wir hoffen, daß
„nicht bloß dieser bescheidene Wunsch erfüllt, sondern daß der rege
„Sinn, welcher für Rechtsgeschichte gegenwärtig, besonders auf dem
„Gebiete des germanischen Rechts sich so erfreulich ausspricht, dem
„Herausgeber auch Entschädigung für das Opfer, das er der Wis-
senschaft bringt, verschaffen werde." Wir fügen nur noch bei, daß,
wiewohl der Herausgeber bei seinem bescheidenen Wunsche geblieben
ist, „der rege Sinn für Rechtsgeschichte ... auf dem Gebiete des
germanischen Rechts" dem so verdienstvollen Unternehmen bisher
keineswegs eine solche Theilnahme zugewendet hat, daß dasselbe
einen gesicherten Fortgang hätte.

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