Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

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Renaud:
In den größer», fremden Einflüssen zugänglicheren, Cantonen dage-
gen wirkten je länger je mehr römisch gebildete Juristen auf die
Gesetzgebung ein. Zu legislativen Arbeiten berufen, suchten und fan-
den dieselben, ausschließlich der römischen Gesetze kundig, und auch
dieser oft nur in sehr oberflächlicher Weise, in dem ihnen zur Ver-
arbeitung überlieferten Rechtsstoffe nichts als römisches Rechts,
und indem sie überall römische Analogieen anwendeten, verdarben sie
die schöne Pflanze der einheimischen Gesetzgebung, die sie zugleich
der Fähigkeit zu fernerm Wachsthume beraubten23).
Wir glauben in den vorhergehenden Zeilen zweierlei nachge-
wiesen zu haben, einerseits nämlich, daß die Rechtequellen der deut-
schen Schweiz bis zur Errichtung des Reichskammergerichts nicht
als fremde Hülfsquellen des gemeinen deutschen Rechts betrachtet
werden dürfen, indem ihnen vielmehr für die Theorie desselben der
nämliche Werth wie den eigentlich deutschen Pa'rticularrechten zu-
kömmt; andrerseits aber, daß unter den fremden Hülfsquellen der
Wissenschaft des deutschen Rechts die schweizerischen vom I. 1495
an zu den allerwichtigsten gehören.
Die Frage nun, was für die Sammlung der Rechtsquellen
der deutschen, insbesondere der alemannischen Schweiz geschehen ist,
läßt sich leider kurz beantworten. Es ist bisher hierfür verhältniß-
mäßig äußerst wenig gethan worden, und was geschehen ist, wurde
meistens planlos angelegt, ist auch theilweife weitern Kreisen unzu-
gänglich geblieben.

22) Gegen dieses Romanistren eiferte vorzüglich der bernische Professor
L erber in seiner praelutio de fontibus juris patrii, Bernae 1748,
welcher er als Motto folgende Worte Ziegler's !n Praef. aä
Hug. Grot. de J. B. et P. vorsetzte: „Ni fallor, seculi nostri haec
labes est, quod in Academiis ad leges romanas ita assuefieri co-
gantur juvenes, ut in omni controversia — non aliunde decisionem
petendam credere oporteat, quam ex jure Bomanorum et legibus
isti uni reipublicae accomodatis.
23) Es gilt dieß von den meisten schweizerischen Gesetzesbüchern der
ältern und der neuern Zeit Nur der zürcherische Entwurf eines
privakrechtl. Gesetzbuchs, (des revid. Entw. ister Theil, 1847) ist
von einem ausgezeichneten Germanisten, Bluntschli, ausgear-
beitet worden und beweist, wie viel vom germanischen Rechtsele-
mente noch heute für dje Gesetzgebung brauchbar ist. —

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