Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

449

Das Recht der Aktiengesellschaften.
Geschäfte, welche eine Actiengesellschaft mit dritten Personen eingeht,
beziehen sich auf das ihr beigelegte Vermögen; wenn nun gleich
dieses materiell pro rsts den einzelnen Actionären gehört, so muß
doch die formelle Trennung derselben von dem übrigen Vermögen
der Gesellschafter in voller Wirksamkeit aufrecht erhalten werden,
und es muß also das Gesellschaftsvermögen mit dem vollen Bestände,
den es jeweils hat, für die jeweiligen Gesellschaftsschulden aufkom-
men. Was Ln Gemäßheit der oben entwickelten Grundsätze recht-
licher Weife als Gewinn an die einzelnen Actionäre vertheilt wurde,
bleibt auch bei später eintretender Insolvenz der Gesellschaft unan-
getastet in dem Sondervermögen jener; was aber noch in dem
Gesellschaftsvermögen sich befindet, gehört den Gläubigern. Wenn
die Gesellschaft, während sie besteht und solvent ist, aus Rücksicht
auf ihre Gläubiger nur das als Gewinn vertheilen darf, was nach
vollständiger Erhaltung ihres Vermögens in seinem vollen Betrage
übrig bleibt, so kann noch viel weniger zugegeben werden, daß nach
eingetretener Insolvenz die Actionäre Forderungen, welche an sich
freilich reiner Gewinn aus einem einzelnen Gesellschaftsgeschäfte sind,
zum Nachtheile der Gläubiger für sich einziehen, während ein wirk-
licher Gewinn der Gesellschaft im Ganzen nicht vorhanden ist;
die Vertheilung jenes Gewinnes an die einzelnen Actionäre
würde eine widerrechtliche Vereinigung des ohnehin schon insuffi-
rient gewordenen Gesellschaftsvermögens enthalten. — Die in dem
Konkurse der Gesellschaft gar nicht oder nicht vollständig befriedigten
Gesellschaftsgläubiger haben gegen Niemanden mehr eine Nachfor-
derung. Denn das ohnehin nur formell selbstständige Rechtsfubject,
das in der Actiengesellschaft enthalten war, ist mit deren Untergang
erloschen, und konnte, da es ein wirkliches Rechtssubjekt nicht war,
einen Rechtsnachfolger nicht erhalten; die einzelnen Actionäre, welche
die eigentlichen Subjekte der Gesellschaftsverbindlichkeiten waren,
haften nicht weiter, als bis zum Betrage der von ihnen versprochenen
Leistungen, und schulden, wenn sie diese vollständig prästirt haben,
den Gesellschaftsgläubigern nichts mehr; es fällt also jedes Forde-
rungsrecht der im Konkurse nicht befriedigten Gesellschaftsgläubiger
weg, da ein zur Erfüllung desselben verpflichtetes Subjekt nicht vox-
Handen ist 73).
73) Bergt. Pöhls a. a. O. S. 275 ffg.

Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer