Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

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Jolly:
nehmen scheint. Sie hat nicht den Sinn: der Aktionär hafte für
eine übernommene Verbindlichkeit nur mit einem Theile seines Ver-
mögens, obgleich der Betrag der Verbindlichkeit größer sei; sondern
sie bedeutet: derActionär macht sich nur zur Zahlung einer bestimm-
ten Summe verbindlich, wenn auch die auf seine und seiner Genossen
Rechnung unternommenen Rechtsgeschäfte nach ihrem Betrage an sich
für seinen Antheil eine größere Verbindlichkeit erzeugen würden; für
die wirklich versprochene Leistung haftet aber derActionär, wie jeder
Schuldner, mit seinem ganzen Vermögen. Die Möglichkeit eines
Geschäftsverkehres zwischen den Actionären uyd dritten Personen bei
der Beschränkung, welche die ersteren allen von ihnen zu überneh-
menden Verbindlichkeiten beifügen, beruht darauf, daß die Actionäre
in ihrer Gesammtheit als ein selbstständiges Ganzes erscheinen, auf
dessen gedachtes Vermögen, die Gesammtsumme .aller von den Ein-
zelnen zu leistenden Beiträge, die mit der Gesellschaft abgeschlossenen
Rechtsgeschäfte bezogen werden. Indem dieselbe formell als ein
selbstständiges, von den einzelnen Actionären verschiedenes Rechts-
subjekt gilt, ist mit vollkommener Sicherheit dafür gesorgt, daß den
dritten Kontrahenten der Werth, auf welchen sie bei Abschluß der
Geschäfte mit der Gesellschaft zu ihrer Befriedigung rechneten, nicht
entzogen werden kann; denn die einzelnen Actionäre können sich von
der Prästation ihrer versprochenen Leistung, dem Maaße bis zu
welchem sie für die Geschäfte der Gesellschaft dritten Kontrahenten
haften, nicht dadurch liberiren, daß sie sich unter einander pro rata
ihrer Betheiligung jene Leistungen erfüllen oder unter einander kom-
pcnsiren, sondern nur die Einzahlung der versprochenen Leistung in
die Kasse der formell als ein selbstständiges Rechtssubjckt geltenden
Gesellschaft liberirt den Einzelnen seinen Genossen und dritten Kon-
trahenten gegenüber. Die Mitglieder einer Actiengesellschaft schließen
in ihrer Gesammtheit mit dritten Personen in der Art Rechtsgeschäfte
ab, daß sie deuselben formell als ein einziges, künstliches, selbststän-
diges, von ihren einzelnen physischen Personen verschiedenes Rechts-
subjekt gegenübertreten, und die Rechtsverhältnisse einer solchen Ge-
sellschaft zu dritten Personen, mit welchen sie sich in Verkehr einließ,
sind demnach, obgleich materiell die einzelnen Actionäre die daraus
verpflichteten und berechtigten Subjekte sind, doch ganz so zu beur-
theilen, als bezögen sie sich auf das als besonderes Rechtssubjekt
gedachte Ganze der Gesellschaft. Die dritten Kontrahenten klagen,

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