Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

Die neueste Gesetzgebung in Wechselsachen. 39
Rechtsgelehrten dazu aufwerfen, ihm seine Bahnen genau vorzu-
schreiben. Nach der Aeußerung erfahrener Geschäftsleute in der II.
Sächsischen Kammer hat bisher in Sachsen eine solche Beschränkung
in der Verbindlichkeit zur Nachlieferung anderer Wechsel-Eremplare
nicht bestanden. Sie besteht auch im übrigen Deutschland nicht.
Eine Gefahr für den Aussteller ist dabei insofern nicht, als auf je-
dem Eremplare bemerkt werden muß, das wie vielte es der Neihe-
folge nach sei, und als jedes einzelne Eremplar, seiner Bestimmung
nach, für den ganzen Wechsel gilt, die Zahlung des einen oder
des anderen Exemplars daher auch vollständig befreit (Mitthei-
lungen der Verhandlungen II. sächs. K. S. 803).
Umgekehrt hat gerade die nachträgliche Auslieferung noch meh-
rerer Ausfertigungen für den Inhaber oft einen vorzugsweisen Werth
<z. B. wenn die erste Ausfertigung verloren worden ist. S. Cropp,
Gutachten S. 78. Liebe, Motive S. 75. 76). Es ist daher nicht
genügend, einen seither ohne Anfechtung in Deutschland bestandenen
Gebrauch umzustoßen, weil solcher in Amerika und England sich an-
ders gestaltet hat.
Der Braunschweigische Entwurf hat einen der oben berührten
Sätze so ausgedrückt (§. 17.): „Jedes einzelne der verschiedenen
Wechsel-Eremplare repräsentirt den ganzen Wechsel; das Indossa-
ment, die Acceptation und die Bezahlung eines einzelnen Exemplars
wirkt also auf alle Eremplare." — Dieses soll jedoch, nach den Mo-
tiven von Liebe S. 80. nicht so zu verstehen sein, daß der Accep-
tant eines Exemplars ein anderes, das er nicht acceptirt hat, zah-
len müsse, sondern nur, daß er es zahlen dürfe. Dieser Sinn
geht jedoch aus der Fassung nicht klar hervor, weil die Acceptation
eines Exemplars, insofern solche auf ein anderes Eremplar wirken
soll, auch dahin zu führen scheint, daß dieses andere Eremplar be-
zahlt werden müsse. Freilich wird thatsächlich entgegenstehen, daß
der Besitzer des nicht acceptirten Exemplars die Wechsel-Klage nicht
anstellen kann, wenn Er keinen klaren Beweis der Annahme in Hän-
den hat. Der Grundsatz des Braunschweigischen Entwurfs wird in
den Motiven zu dem Sächsischen als richtig anerkannt (Mittheil.
u. a. O.), jedoch in seinen Folgerungen nicht so weit durchgeführt,
weil es im Sinne der Negocianten (soll heißen Geschäftsleute, Kauf-
leute) eine große Unregelmäßigkeit sei, die der Bezogene verschulde,
wenn er von einem vervielfältigten Wechsel mehr als Ein Eremplar

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