Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

374

Jvlly:
artige Unterscheidung nicht begründet. Die Actiengesellschaft paßt
nur unter die allgemeinsten Umrisse, welche das römische Recht von
einer soeietss entwirft; und es ist darum immer bedenklich, irgend
einen bei dieser geltenden Rechtssatz auch bei jener anzuwenden,
sofern er nicht aus der allgemeinen Natur der societas, als eines
Vergemeinschaftlichung bezweckenden und schlechthin auf Gegenseitig-
keit beruhenden Vertrages, mit Nothwendigkeit hervorgeht. Es wird
aber nicht geläugnet werden können, daß die beschränkte Verant-
wortlichkeit der socii unter einander eine positive Eigenthümlichkeit
des römischen Rechtes ist, zu deren Annahme ohne direkte Gesetzes-
aussprüche wir uns nimmermehr für berechtigt erachten würden. Za
es wird sogar die Quelle mit ziemlicher Sicherheit angegeben wer-
den können, aus welcher jene positive Bestimmung des römischen
Rechtes floß; es ist die Auffassung der Sozietät als eines die In-
dividualitäten der Kontrahenten auf das genaueste berücksichtigenden
Vertrags. Es erscheint billig, daß man von einer Person, mit
welcher man sich unter besonderer Berücksichtigung ihrer individuellen
Art in eine enge Verbindung einließ, in Erfüllung der übernommenen
Verbindlichkeiten keine weitere Sorgfalt verlangt, als sie nach ihrer
individuellen Art in ihren eigenen Geschäften anzuwenden pflegt.
Bei unserer Actiengesellschaft müssen mit der Auffassung, daß sie
eine besonders enge, individuelle Verbindung bewirken, auch die
Folgen dieser Auffassung wegfallen. Dazu kommt, daß die Bestellung
eines socius als Mandatars der übrigen in der römischen societas
etwas rein Zufälliges ist und also bei einem Zusammentreffen der
beiden Eigenschaften eines socios und eines Mandatars in einer und
-derselben Person die erstere ganz füglich als die überwiegende be-
trachtet werden konnte, so daß sich nach ihr die rechtliche Stellung
der fraglichen Person bestimmte. Bei unserer Actiengesellschaft ist
die Bestellung eines für die Gesammtheit handelnden Mandatars
eine Nothwendigkeit, und bei der Berufung eines Aktionärs zum
Verwalter der Gesellschaftsangelegenheiten wirb darum auch seine
Eigenschaft als Mandatar wesentlich in Betracht zu ziehen sein. Auch
glaube ich, daß die in sehr vielen Statuten sich findende Vorschrift,
der Vorstand solle aus der Mitte der Actionäre genommen werden,
lediglich eine größere Sicherheit der Gesellschafter bezweckt, welche
Absicht schlecht erreicht werden würde, wenn man einen solchen
Vorstand in geringerem Grade verantwortlich machte, als einen

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer