Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

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eben die Erschaffung eines neuen, bisher noch nicht da gewesenen
Rechtssubjectes.
Auf einem ähnlichen Standpunkte steht Beseler, welcher in
seinem Werke über Volksrecht und Iuristenrecht (S. 158 ffg.) die
Actiengesellschaft als eine Art der Genossenschaften betrachtet, welche
selbst eine Unterart der Korporation seien. Der Begriff der Ge-
nossenschaft weicht aber nach Beseler's Ausführungen in seinen
einzelnen Arten sehr wesentlich von dem der Korporation ab und
nimmt häufig einzelne zum Wesen der Gesellschaft gehörige Merk-
male in sich auf, wie dieß nach Beseler bei dem Actienvereine
in vorzüglich hohem Grade der Fall ist. Wenn der genannte
Schriftsteller S. 186 sagt, in der Actiengesellschaft komme das
Vermögen der Genossenschaft zugleich als einheitliches Korpora-
tionsgut und als Miteigenthum der Genossen, in ideelle Theile
zerlegt, in Betracht, so scheint mir diese Ausdrucksweise zu man-
chen Zweifeln Veranlassung zu geben und nicht geeignet, als fe-
ster Grundsatz an die Spitze der ganzen Lehre gestellt zu werden,
aus welchem die einzelnen bei dem fraglichen Institute geltenden
Rechtssätze mit Sicherheit abgeleitet werden könnten. Uebrigens
verkenne ich nicht, daß zwischen der Actiengesellschaft und den zahl-
reichen andern Instituten, welche Beseler als Arten der Genossen-
schaft aufführt, eine gewisse Verwandtschaft besteht; nur bezweifle
ich, ob für alle jene unter sich doch sehr verschiedenen Institute
ein gemeinschaftlicher Begriff aufgestellt werden kann, welcher noch
hinlänglich charakteristische Merkmale enthält, um zur Erklärung
der einzelnen unter ihn fallenden Rechtsverhältnisse erhebliche
Vortheile gewähren zu können. Jedenfalls scheint mir die Actien-
gesellschaft des Eigenthümlichen genug zu enthalten, um ihre ab-
gesonderte Behandlung zu rechtfertigen, einstweilen ohne Rücksicht
auf einen höheren Begriff, unter welchen sie vielleicht gemeinschaft-
lich mit andern Rechtöinstituten subsumirt werden kann, da die Eri-
stenz und der Werth dieses gemeinsamen höheren Begriffes noch
nicht mit voller Sicherheit hergestellt sind.
Die Mehrzahl unserer Juristen neigt sich nun aber zu der
Ansicht, daß in der Actiengesellschaft keine juristische Person, son-
dern ein Vertragsverhältniß, eine durch mancherlei Eigenthüm-
lichkeiten ausgezeichnete Abart des Gesellschaftsvertrages vorliege.
Zu dieser Ansicht bekennen sich z. B. Eichhorn und Phi-

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