Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

W i ld a:

scheu Dissidenten zur Zeit nicht, da ihnen, noch in Ordnung
ihrer Verhältnisse begriffen, bis dahin nur eine faktische,
noch nicht eine gesetzliche Duldung im Sinne des allgemeinen
Landrechts zu Theil geworden ist. Dieserhalb sind die Wäh-
ler des Alt-Braunsberger Kreises mit vollem Rechte, und
ohne meinen Grundsätzen über Gewissens- und Bekenntm'ß-
freiheit irgendwie zu nahe zu treten, abgemahnt worden,
den v. St. zum Landtagsdeputirten zu wählen, weil diese
Wahl nach deutlicher Vorschrift des Gesetzes, so lange
die Dissidenten, zu welchen er sich bekennt, nicht
als Angehörige einer der christlichen Kirchen an-
erkannt sind» nicht würde bestätigt werden kön-
nen."
Wenn hier zuletzt als Grund der Nichtwählbarkeit angegeben
ist, „daß die Dissidenten noch nicht als Angehörige einer der christ-
lichen Kirchen anerkannt sind," so ist „das Gehören zu einer
christlichen Kirche", oder „die Gemeinschaft mit einer christlichen
Kirche" hier in einem andern Sinn genommen, als in dem die
Landstände betreffenden Gesetze von 1823. Zn diesem kann darunter
nur verstanden werden daß, um wahlberechtigt oder wählbar zu
sein, man einer christlichen Kirchengesellschaft als Mitglied angehören
müsse; wenn aber bei einer Gesammtheit, die sich zur Neligionsge-
sellschaft constituirt hat, in Frage gestellt wird: ob sie einer christli-
chen Kirche angehöre? so kann dieses nicht auf ein äußeres gesell-
schaftliches Verbundensein sich beziehen, sondern nur auf den Inhalt
ihrer Lehre und ihres Glaubensbekenntnisses, wobei die Frage ent-
steht, ob dieses als christlich anzusehen sei oder nicht? So wie ja
auch zufolge des königlichen Patentes bei Bestimmung der Rechte
neuer Religionsgesellschasten darauf Rücksicht genommen werden soll,
ob sie sich in Hinsicht auf Lehre und Bekenntniß mit einer durch
den westphälischen Frieden anerkannten christlichen Religionsparte
in wesentlicher Uebereinstimmung befindet. Wenn daher künftig
über die Zulassung einer Religionsgesellschaft entschieden wird, so
muß dabei zugleich festgestellt werden: ob sie 1) nur als eine, den
Staat und die guten Sitten nicht gefährdende, 2) als eine christ-
liche, oder endlich 5) als eine mit den durch den westphälischen
Frieden recipirten Confessionen in wesentlicher Uebereinstimmung
sich befindende Religionsgesellschaft anerkannt werden solle?

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