Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

18 Souchay:
Art angewendet werden? dürfte zur Zeit noch bezweifelt wer-
den. Man nehme den Fall: A. besitzt eine Schuldverschreibung
des B., auf den Inhaber lautend. Sie wird ihm erweislich ge-
stohlen, und nun kommt der Inhaber C. und verlangt die Bezah-
lung. Wird hier die liquide Einrede des B., daß nicht C., son-
dern A. der rechte Gläubiger und Kläger sei, verworfen werden?
oder — wenn B. den C. bezahlen, A. jedoch interveniren wollte,
auf liquide Beweise der ihm geschehenen Entwendung gestützt, wird
das Gericht die Zahlung an C. verfügen, und die Intervention des
A. verwerfen?
In legislatorischer Beziehung ist hier so viel zu bemerken:
bleibt man bei den Grundsätzen des Obligationenrechts hinsichtlich
der Privatverschreibungen a. d. I. stehen, und legt auf die er-
wähnte Clausel gar keinen Werth, so steht dieses einem Verbot
solcher Verschreibungen der Wirkung nach gleich. Es hat ein solches
Verfahren den Vortheil, daß der Schuldner genau zusehen muß,
wem er zahlt, damit er nicht wiederholt in Anspruch genommen
werden könne. Hierdurch wird also einerseits die Sicherheit des
Besitzes solcher Forderungen befördert, andererseits der Verkehr
mit denselben gehemmt. Geht man dagegen so weit, daß aus
dem Besitz jener Verschreibungen, gerade so wie bei den Staats-
papieren a.d. I., das Recht folgen, und daß sonach dieser Besitz
die Rechte früherer Inhaber vernichten soll, so wird in so fern die
Beschützung des Eigenthums schwierig, als es einem Diebe nicht schwer
fallen wird, einen dritten Käufer der Verschreibung zu finden, und
dadurch die Entwendung zu sichern. Indessen kann man hierauf
erwiedern, daß Niemand zur Annahme einer Verschreibung dieser
Art verpflichtet sei, und daß man sich die Folgen der Annahme
selbst zu vergegenwärtigen und zu tragen habe. Wie man von
Seiten der Chevaliers d’lndustrie die Bedeutung und den Werth
der Scheine a. d. I. zu begreifen ansängt, dafür folgendes Bei-
spiel: Die Ph. stiehlt zu Frankfurt Geld, sie legt es bei der As.
in Marburg nieder, um es zu hehlen. Die As. will das Geld
nicht alles im Hause behalten, sie geht daher zu einem Dritten,
leiht ihm 100 fl., und dieser sagt in der eingeleiteten Untersuchung
aus, daß ihm die As. bemerkt habe: „Ich möchte nicht in dem
Schein ausdrücken, wer das Geld gegeben habe, weil essein
könne, daß derselbe an Zahlungs-Statt angegeben werde. Hierauf

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