Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

14 Souchay:
sind die Staatspapiere gu porteur in Deutschland aufgekommen; allein
auch die in ihrem Betreff erlassenen Gesetze lassen sich nicht mit denje-
nigen Ansichten in Einklang bringen, welche nach der Meinung Dun-
kers im 14. Jahrhundert herrschend gewesen sind. Denn sicher wird man
nach letzteren einen Dieb nicht als Nechtsnachfolger des ersten Gläubi-
gers betrachten wollen, und somit kann es auch derjenige Besitzer
nicht sein, welcher seinerseits von dem Diebe erwirbt. Und doch wird
dieser Besitzer nach den erwähnten Gesetzen als berechtigt für Kapital
und Zinsen der Obligation auf den Inhaber angesehen. Zu demselben
Resultate führt die, wenn schon anders begründete Bemerkung Dun-
kers (S. 49): „Wir werden nicht umhin können, die zuletzt weit-
läufig von Schümm (C. Arch. zum Bd Xlll.) ausgeführte Ansicht
zu billigen, daß dieselben (die Verschreibungen a. d. I.) als Be-
weismittel für das, unabhängig von der U.rkunde beste-
hende Forderungsrecht zu betrachten sind, daß daher der
Untergang jener nicht auch den Verlust dieses zur Folge hat; daß
der Inhaber mit dem Versprechen des Schuldners als selbststän-
diger Gläubiger erscheint, und derjenige, welchem ge-
genüber der Schuldner sich zuerst verpflichtet hat, gar
nicht in Betracht kommt." Zu demselben Resultate sind wir
hiermit allerdings gekommen. Aber wie ist es möglich, daß der
erste Berechtigte gar nicht in Betracht kommen sott, wenn man doch
den Inhaber der Urkunde als dessen Rechtsnachfolger ansehen will?
Und wie kann man das Papier a. d. I. nur als Beweis-
mittel eines unabhängig von demselben bestehenden Forderungs-
rechtes erkennen, wenn derjenige, welcher dieses Forderungsrecht
erworben hat, und dessen eigentliche Rechtsnachfolger (die wirklichen
Cessionare) gar nicht in Betracht kommen sollen, sondern nur der
Inhaber des Papiers, als s. g. selbstständiger Gläubiger?
Aus diesen Bemerkungen dürfte hervorgehen, daß man sich bei
den fraglichen Papieren a. d. I. von dem juristischen Begriff der
Schuldurkunden und Forderungsrechke völlig trennen muß. Sie
sind, was sie sind, d. h. was man daraus in Rücksicht auf eine
leichtere Circulation gemacht hat, Papiere auf den Inhaber (S.
meinen ang. Aufsatz in dem Archiv a. E.), und nach der bekannten
Regel, daß alle Vergleiche hinken, darf nicht geleugnet werden,
daß auch der Vergleich derselben mit einem conventionellen Papier-
geld nicht überall zutrifft, obwohl die Einwendungen Dunkers hier-

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