Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 11 (1847))

Die neueste Gesetzgebung in Wechselsachen. 19
bürger umkehren und gefährden will, abweichen können." (Vergl.
meinen Aufsatz S. 145. 146.)
Wenn man nun mit diesen römischen Grundsätzen die Gesetze
über Obligationen auf den Inhaber vergleicht, so wird man beide
nicht vereinigen können. A. empfängt von B. 1000 fl. und gibt ihm
dafür eine Obligation auf den Inhaber. B. verliert diese Obliga-
tion und C. kauft sie von dem Finder. Diesem C. soll sie nun A.
bezahlen und doch hat er mit ihm nicht contrahirt, und B. hat seine
Rechte an A. dem C. nicht cedirt!
Eine Abweichung von den angeführten römischen Grundsätzen
läßt sich aus den von Herrn Dunter angeführten deutschen Urkun-
den (die übrigens nicht lediglich des Inhabers, sondern noch neben
demselben einer bestimmten Person erwähnen) nicht erkennen.
Mehrere dieser Urkunden erweisen durch die Worte: „wer den Brief
mit ihrem Willen inne hat" (u. dgl.) — deutlich auf das Ge-
genthcil hin, und wo dieser Zusatz nicht steht, da hat man noch nicht
auzunehmen, daß der jeweilige Inhaber der Urkunde ganz außer
Beziehung mit dem ersten Erwerber derselben gedacht wurde, mit
a. W., daß ihm der redlich erworbene Besitz der Ur-
kunde an und für sich selbstständige Rechte verliehen
hätte, Rechte, die Bestand hatten, auch wenn sie, wie in dem oben
angeführten Beispiel, gar nicht von dem ersten Inhaber abgeleitet
werden konnten; Rechte, die den Anspruch des früheren Inhabers
ohne seine Zustimmung und vielmehr wider seinen Willen ver-
nichteten (u. a. wenn ihm die Obligation gestohlen wurde). In der
That wird eine solche Abweichung von den römischen Grundsätzen
auch nicht von Hrn. Dunter mit Bezug auf jene Urkunden be-
hauptet, vielmehr sollte, nach seiner Ansicht, der Inhaber als
Rechtsnachfolger des in der Urkunde genannten Gläu-
bigers betrachtet werden (S. 38). Er führt sodann (S.40flg.)
aus, daß die späteren Juristen diese Ansicht verlassen haben, und
daß sie zuerst den Inhaber nur als einen vermuthlichen Man-
datar des genannten Gläubigers betrachteten, ja endlich den be-
sonderen Beweis einer Cession, ungeachtet der Clausel auf den In-
haber, und ungeachtet des Besitzes der Urkunde erforderten, was
Ln unserer Zeit u. a. von Mühlenbruch (Cession S. 459) berich-
tigt worden sei. Als sich nun die Ansichten über die Verschreibun-
gen, welche des Inhabers erwähnen, in dieser Weise gestellt hatten,

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