Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

7. Einige Bemerkungen über die preußische Verfassung vom 3. Februar 1847

IV.
Einige Bemerkungen
über die
preußische Verfassung vom 3. Febr. 1847.
Von
N e y s ch e r.
„Eine wichtige Zeit, wo sich die Berge (in Rheinpreußen) in
Bewegung setzten, und — der Staat Preußen eine Verfassung er-
hielt!" So werden die künftigen Chronisten vom Jahr 1847 zu
berichten haben, und wir wollen uns die Bedeutsamkeit dieser Er-
scheinungen nicht dadurch schmälern lassen, daß wir sie bloß nach
ihrer Außenseite betrachten, etwa weil eine nachbarliche Berührung
dadurch unterbrochen worden, sondern wollen sie lieber in ihrem
Zusammenhänge und ihren Folgen auffassen. Hier haben wir es
nur mit dem zweiten jener Ereignisse zu thun.
Klein und unscheinbar tritt allerdings jene Verfassung eines gro-
ßen gesitteten Staates hervor, wie wir sie aus dem Patente vom 3. Febr.,
und den drei sie begleitenden Verordnungen über Bildung eines
vereinigten Landtags, eines vereinigten ständischen Ausschusses und einer
ständischen Deputation entnehmen. Aber sie ist nichts desto weniger
eine Bewegung vorwärts, wir meinen, ein Schritt weiter in der
Anerkennung geschichtlicher Rechte, und in der Begründung einer
großen Zukunft! Während Tausende von Deutschen alljährlich ihrem
Vaterlande den Rücken kehren, um in der neuen Welt billige
Wünsche zu befriedigen, während die untersten Schichten der Ge-
sellschaft, welche der Staat lange vernachläßigt hat, in Unordnung
gerathen sind, darf sich eine sorgsame Negierung wohl die Frage
vorlegen: wie ist das lockere Band, welches die Stände zusammen-
hält, wieder zu befestigen, wie ein dauerhafter Grund zu legen für
die öffentliche Sicherheit, welche auf das Ernsteste bedroht, und durch
künstliche, unorganische Mittel allein nicht aufrecht zu halten ist?
Die Antwort auf diese Frage hat jeder Staat in seinem Interesse
und von seinem besonderen Standpunkte aus zu beantworten, und
eS können keine Rücksichten ceremonieller Höflichkeit und der Ach-
tung für fremde Meinungen ihn abhalten, der Pflicht der Selbster-

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