Full text: Volume (Bd. 11 (1847))

Deutsches Gerichtsverfahren.

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Schlagen, Hauen, Stechen, Raufen und mehr dergleichen nach Ferm
und Verordnung ihres Weichbildrechts in Freundschaft und Güte
zu vertragen und zu richten, wie denn auch kein Bürger von un-
serm Amte oder Dienern zu Hoya in Schuld oder andern gering-
schätzigen Sachen nicht soll verstrickt und eingezogen werden, son-
dern durch den Bürgermeister auf den Rathskeller."
Man sieht, die kleinen Fleckenbürger hatten damals noch mehr
Sinn für politische Corporationsrechte, als heute die Verordneten
großer Städte, welche, wie in Dresden, die Gerichtsbarkeit der Ko-
sten halber freiwillig abtreten. —
Ich kann diese Abhandlung nicht schließen, ohne eine Andeutung,
die ich vielleicht an einem paffender» Orte weiter ausführe. Die
vernünftigen Bestrebungen unseres Jahrhunderts scheinen mir auf
das Gegentheil von dem gerichtet zu sein, was das 16. u. 17. Jahr-
hundert wollte und that. Wir drängen nach der Oeffentlichkeit und
Mündlichkeit im Criminal- und Civilprocesse, welche damals oder
schon früher verloren gierig; wir wollen das Vielregieren beschränkt
wissen, den Corporatione» ihre Selbstständigkeit zurückgeben, Asso-
ciationen aller Art fördern und dem Staate das Regieren erleich-
tern, indem wir in allen Lebensgebieten das Lelißövernment vor-
ziehen. Nun so laßt uns denn auch darauf denken, den Bauern
und Bürgern ihre Selbstjurisdiction wieder zu geben!
Das mag schwer aber nicht unmöglich sein; nur müssen wir dem
rechtgebendcn und rechtnehmenden Volke nicht auch unsere Proceß-
form aufdringen wollen, sondern zu dem einfachen Verfahren zurück-
gehen, das durch den sog. gemeinen Proceß verdrängt wurde. War-
um sollten unsere Bauern in ihren eigenen Angelegenheiten heute
nicht eben so gut Recht finden können, als die Hoyaischen Bauern
es vor 200 Jahren konnten?
Für schwierige Fälle mögen Advokaten und gelehrte Richter
übrig bleiben. In hunderten von Fällen kommt es aber weniger
auf das Recht selbst, als auf einen Rechtsspruch an. Wenn man
nun wieder da anknüpfte, wo man aufgehört hat; wenn man ne-
ben unfern Gerichten und unseren Proceßgesetzen, wie sie einmal
bestehen, ein achtes Ding einrichtete, in dem jeder, der wollte, von
seinen Genossen Recht nehmen könnte; wenn man dieses ächte
Ding, den Untergerichten wenigstens, nicht unterordnete und, sobald
ein Rechtsmittel interponirt würde, nur eine Appellation gestattete,
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