Full text: Volume (Bd. 5 (1895))

Krische, Der Rechtsbegriff des öffentl. Wafferlaufs nach Sächs. Rechte. 473
daß das gleich darauf von den Flüssen Gesagte nicht auch von den Büchen gelten
solle. Weckt von den älteren Vertheidigern der Oefsentlichkeit der Bäche dem
gegenüber nur angeführt worden ist, daß Ulpian mit der Unterscheidung zwischen
Bächen und Flüssen lediglich eine, dem gewöhnlichen Sprachgebrauche geläufige
Unterscheidung ohne jede rechtliche Bedeutung hier erwähnt habe, so könnte man
Baron beipflichten, der in Zweifel zieht, daß Ulpian an die Spitze seiner aus-
führlichen Erläuterung der Edictsworte eine solche Unterscheidung gestellt haben
sollte, ohne dieser Eintheilung eine rechtliche Bedeutung beizumessen. Indessen wird
man der Stelle — im Wesentlichen mit Kappeler (S. 93) — wohl ungezwungen
folgende Erklärung geben können. Flumen bedeutet in seinem gewöhnlichen,
weiteren Sinne, quod fluit, im engeren einen Gegensatz zum Bache. Ulpian ver-
sucht nun in seiner Erläuterung das Anwendungsgebiet des Edicts näher zu be-
stimmen. In ß 1 erklärt er zu diesem Zwecke zunächst das Wort flumen. Da
das Edict die schifffahrthindernden Handlungen verbieten will, Bäche aber keine
Schifffahrt gestalten, so scheidet er zunächst die Bäche von dem Anwendungsbereiche
des Edicts aus. Daß man damit Ulpian etwas Selbstverständliches sagen ließe,
wird sich hier nicht einhalten lassen. Denn in 8 12 derselben Stelle wird in
gleicher Weise von ihm die Frage aufgeworfen- ob das Edict auf nichtschiffbare
Flüsse anzuwenden sei, und diese Frage zwar eben deshalb, weil das Edict nur
schifffahrthindernde Handlungen verbiete, verneint, aber doch wegen solcher Hand-
lungen an nichtschiffbaren Flüssen, die, an schiffbaren vorgenommen, die Schifffahrt
beeinträchtigen würden, das Edict als utile eingeränmt. Die Unterscheidung des
8 1 ist also rechtlich von Bedeutung: das in Dig. 43. ,2 mitgetheilte Edict soll
sich auf Bäche nicht beziehen. Hiernach wendet sich Ulpian zur Erläuterung des
Ausdrucks publicum. Dabei bildet die Eintheilung der flumina in ständige und
nichtständige den Ausgangspunkt. Daß diese Eintheilung auch ganz ebenso den
Bächen gegenüber statthat, versteht sich von selbst; die deutsche Sprache kennt
z. B. nur Gieß bä che, keine Gießflüsse. Ebensogut, wie die Eintheilung der
Wasserläufe in ständige und nichtständige sich auf Flüsse und Bäche bezieht, wird
man aber auch die nächste folgende Eintheilung der Wasserläufe in öffentliche und
nichtöffentliche auch auf Bäche zu beziehen haben.
2. Als weiteren Grund für die Annahme, daß das Römische Recht die
Bäche zu den Privatgewässern gerechnet habe, führt die herrschende Lehre an, daß
es an Grundsätzen über die Rechtsverhältnisse der Bäche in den Quellen voll-
ständig fehlen würde, wenn die Bäche nicht sonst unter den flumina publiea
mitverstanden wären, und daß diese Lücke im Römischen Rechte bei der großen
Bedeutung der Bäche für die in Italien von Alters her reich entwickelte Wiesen-
bewässerung kaum zu erklären sein würde. Baron bestreitet dies. ES liege
nämlich auf der Hand, den Bach mit dem Regenwasser zusammenzustellen; er
entstehe zwar auS dem Quellwasser, aber er vermehre sich wesentlich nur durch
die atmosphärischen Niederschläge; er sei also fast nichts als gewesenes Regen-

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