Full text: Volume (Bd. 5 (1895))

7.2. Leuthold, das K. S. Baupolizeirecht 6. Auflage.

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Literatur.

aus der Hand gab, ihn über seinen Abtretungswillen in Jrrthum versetzt, diesen Jrrthum
erst ermöglicht und dadurch mittelbar verschuldet habe. Dem Gläubiger, der seinen Hypo-
thetenbrief zu erlaubtem Zwecke zeitweilig aus der Hand giebt (er hinterlegt ihn, überliefert
ihn- einem Dritten zur Aufbewahrung) läßt sich wahrlich kein Verschulden im Rechtssinne
beimessen, wenn der Inhaber des Papiers das Blankett mißbraucht und es. auftragswidrig
zur Session verwendet. Ließe sich aber auch seine Handlungsweise im einzelnen Falle viel-
leicht als fahrlässig bezeichnen, so würde das nach Röm. Rechte doch nur. allenfalls eine
Verpflichtung zum Schadensersätze begründen, niemals aber dazu führen können, den Cessions-
vertrag trotz mangelnden Abtretungswillens des Forderungsberechtigten als perfekt
anzusehen.
Der Entwurf e. dtsch. B.G.V.'s ist der Blankocession nicht günstig. Er erwähnt sie
nicht und die Motive (Bd. III S. 763 flg.) ergeben, daß das Rcchtsinstitut auch für Grund-
schuldbriefe hat beseitigt werden sollen. Den dafür geltend gemachten rechtspolitischen
Gründen wird man zustimmen müssen. Was Strempel S. 67 flg. und S. 103 dagegen an-
suhrt, ist wenig überzeugend. Die mecklenburgische Regierung scheint allerdings auf die Bei-
behaltung der Blankocession Werth zu legen. Sie hat in einer Denkschrift, die vom Verf.
mehrfach angezogen wird, gegen die Stellungnahme des Entwurfs Vorstellungen erhoben,
— ohne Erfolg. Die Kommission hat in zweiter Lesung die Streichung der Blankoabtretung
aufrecht erhallen.
Das Strempel'sche Werk zählt nicht zu denjenigen, die durch eine anziehende Dar-
stellung den Leser fesseln und ihn über die Sprödigkeit des Stoffs hinwegzutäuschen ver-
mögen. Dem Verfasser fehlt die elegantia juris. Seine Sprache ist schwerfällig und an
vielen Stellen nicht leicht zu verstehen (vergl. S. 14, 33, 71, 76). Verstöße gegen den
Satzbau und selbst gegen die Regeln der Grammatik sind nichts Seltnes. Dazu kommen
fehlerhafte Wortbildungen wie: „anwendlich" (für anwendbar), „zahlfällig", „seinerseitig",
„Mitinteresse". Andre Allsdrücke sind in einer so fremdartigen Bedeutung gebraucht, daß
mair nur aus dem Zusammenhänge *rhren Sinn zu errathen vermag, wie: „allemal" in der
Bedeutung von jedenfalls, „beschaffen" in der Bedeutung von ausüben, erklären (das Wahl-
recht, die Kündigung wird „beschafft".). Was „Auskunft aus der Forderung" und „Zwischen-
auskunft" zu bedeuten haben, ist uns dunkel geblieben.
Leipzig. Landgerichtsrath vr. Paul.
Das Königlich Sächsische Baupolizeirecht. Eine Zusammenstellung der einschlägigen Ge-
setze und Verordnungen. Herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von 1) r. j u r.
C. E. Leuthold, weil. K. Bergamts dir ektyr. Sechste, vermehrte Auflage. Mit einem
ausführlichen Sachregister. Leipzig, Roßberg'sche Hof-Buchhandlung, 1695. (3 Mk.
60 Pf.;- geb. 4 Mk. 40 Pf.)
Die vorliegende Auflage der voll den sächsischen Verwaltungsbeamten mit Recht ge-
schätzten Handausgabe hat, nach dem Tode ihres verdienstvollen Veranstalters, in dem Geh.
Reglern ngsrath Dr. v. Bernewitz einen ebenso pietätvollen wie sachkundigen Bearbeiter ge-
funden. Abgesehen davon, daß die seit der 5. Auflage (1890) hinzugekommenen Verord-
nungen und Entscheidungen nachgetragen worden sind, unterscheidet sich die neuste Auflage
von ihren Vorgängerinnen durch die zweckmäßige Neuerung, daß der Text der Gesetze und
Verordnungen in seiner gegenwärtig gültigen Fassung zum Abdruck gelangt ist. Einer be-
sonderen Empfehlung des trefflichen Buches wird es nicht bedürfen.
Leipzig. Regierungsrath vr. Häpe.

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