Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

nach Gerichtsakten vom Jahr 1548. 433
Kaiser Karl V. erhalten; dieses ist nebst einigen andern, die von
Ehingen betreffenden Urkunden gedruckt in Lünig's Reichsarchiv
(Part. spec. cont. III. Absatz i. p. 288).
Rach dem eben genannten Privilegium sollte in allen Sachen,
Ehre, Leib, Hab oder Güter betreffend, Recht genommen werden:
1) gegen Georg von Ehingen vor dem Kaiser oder k. Kammerge-
richt, 2) gegen seine Diener und Amtleute vordem Junker selbst,
3) gegen seine Vogtleute und Mundleute, Hintersaßen und Unter-
thanen vor den Richtern und Gerichten, darinnen sie gesessen und
ordentlich gehörig seien und sonsten nirgendswo. Wie kam es nun,
daß der Angeklagte vor das 10 Stunden entfernte, jetzt erst eigens
aus diesem Anlaß gebildete Gericht zu Neuneck gestellt wurde?
Eine spätere Hand aus dem 16. Jahrhundert bemerkt darüber auf
dem Umschlag zu der Urgicht: „In Ermanglung eines Hochgerichts
in Kilberg ist dieser Dieb zwar in Kilberg, als loco delicti, erami-
nirt, aber in Reinek, als Georg von Ehingen Herr zu Kilberg und
Neinek war, aufgehengt worden." Es scheint also, daß Georg von
Ehingen es angemessener fand, in Neuneck als in Kilchberg Stock
und Galgen für seine Unterthanen und andere Uebelthäter zu er-
richten: denn daß er an beiden Orten die Einrichtungen zu einem
hochnothpeinlichen Prozesse traf, war ihm natürlich nicht zuzumuthen.
Genau wurde es freilich mit Anwendung der Carolina in
diesem ersten Falle blutherrlicher Jurisdiktion nicht genommen. Von
einem gerichtlichen Vorerkenntniß, welches nach der peinlichen
Gerichtsordnung Art. 27 f. der Anwendung der peinlichen Frage
vorausgehen soll (in Württemberg wurde dasselbe schon durch die
unter der östreichischen Zwischenregierung im Jahr 1520 ergangene
Erläuterung des Tübinger Vertrags vorgeschrieben, s. Gesetzsamm-
lung Bd. II. S. 67), ist in den Akten nichts zu finden. Der An-
geschuldigte wurde vielmehr erst, nachdem er von dem Junker Georg,
der in diesem Falle zugleich Damnifikat war (die meisten Diebstähle
wurden von dem Angeschuldigten als Taglöhner im Dienste der
adeligen Herrschaft zu Kilchberg verübt) , persönlich verhaftet,
verhört und peinlich gefragt war, dem Schultheißen und Ge-
richte zu Neuneck übergeben; vor welchem nun die Anklage auf
Grund des vorausgegangenen, sodann vor Gericht als erzwungen
widerrufenen, zuletzt aber doch wieder großenchetlö anerkannten pein-
lichen Bekenntnisses erhoben und ausgeführt wurde.
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