Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

Ueber die Handlungsunfähigkeit der Geisteskranken. 81-
rend einige Schriftsteller, z. B. Baldus, Jason, an deren Ansichten
sich das Landrecht sonst häufig anschließt, richtig unterscheiden, ob der
furiosus dilucida intervalla gehabt habe oder nicht, und im letztem
Falle das Testament, etiamsi rite testatus fuerit, verwerfen, im er-
stem Fall aber dem Testamentserben den Beweis Vorbehalten, daß
der Erblasser zur Zeit, da das Testament errichtet worden, sanae
mentis gewesen sei, glaubten dagegen Andere, z. B. Corsetus (sin-
gularia juris ad voc. testamentum), daß dem Testamentserben über-
haupt nur zu beweisen obliege, der Erblasser habe lichte Zwischen-
räume gehabt, indem alsdann zu vermuthen sei, daß das Testament
in einem solchen intervallum errichtet worden.
Ungeachtet die erstere Meinung die Natur der Sache und auch
angesehene Praktiker für sich hatte, ward doch bei Redaction der
dritten Ausgabe des Landrechts von dem Berichterstatter Dr. Ei-
sengrein der letzteren Ansicht beigestimmt, indem er die Aufnahme
der oben angeführten Stelle als Zusatz zu § 3. Th. III. Tit. 2.
des Landrechts mit den Worten motivirte:
„Weil nach gemainem Schluß der Rechtslehrer die furios! et
mente capti, so zue Zeitten dilucida interualla haben, in
solchen interuallis, vermög der gemainen Recht, wol testie-
ren köndten, per text. in d. 1. furiosum, et in d. § praeterea,
et ea quae ibi notat Aug. et Joseph Ludoui. decis. perusin.
1. parte No 13. Ihre Testamenta auch, da sie rite
vnnd all so disponiert, daß darauß kein vnuernunfft
zuuermerkhen, Chrafft haben, obgleich nicht an-
derst bewisen würdt quod testator tempore con-
diti testamenti dilucidum habuerit interuallum
So möchte zuuerhiettung künfftigen Zweiffels dieser § mit
solchem Zusatz zuergäntzen vnd zuerleittern sein" 25).
Zwar sprechen die eitirten Gesetzesstellen, nämlich 6. VI. 22.
const. 9. J. II. 12. § l. nicht für den so eben angeführten zweiten
Grund, sondern nur für den ersten, denn das Testament der furiosi
wird darin ausdrücklich nur dann als gültig angenommen: „si per
id tempus fecerint testamentum, quo furor eorum intermissus
est.“ Indessen scheint dje Autorität Joseph Ludovieis w) entschieden

25) Relation zum 3 Theil des Landrechts Mscr. Bl. 12.
26) Decisionum Moeno-Francof. 1607. tom. I. decis. 1. Nro 13.

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