Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

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Reysch er:

Staatskosten oder durch Aktiengesellschaften, unter pecuniärer
Mitwirkung des Staats, zu betreiben sei? Obgleich die Negierung
anerkannte, daß das System der Staatsbahnen immer mehr Ver-
breitung gewinne, daß die Eisenbahnen immer mehr ihren lokalen
Charakter verlieren und internationale Beziehungen herbeiführen,
welche um so freier und selbstständiger gewürdigt werden können,
wenn jene Eigenthum des Staats und die Betriebseinrichtungen
und Betriebsgrundsätze dem unmittelbaren Einflüsse der Regierung
untergeben seien, daß es ferner nicht ganz unbedenklich scheine, eine
so wichtige Verkehrsanstalt, ein so mächtiges Beförderungsmittel
mittelbarer und unmittelbarer Staatszwecke in den Händen von Un-
terthanen zu wissen, denen ihr Privatinteresse der Natur der Sache
nach obenanstehe, so glaubte doch das Ministerium auch andere
Gründe specieller Natur würdigen zu müssen, welche aus den finan-
ziellen Verhältnissen des Landes hervorgingen, und die Uebernahme
der Eisenbahnen auf die Staatskasse widerriethen. Nur eine indi-
rekte Unterstützung durch Betheiligung des Staats bei den sich bil-
denden Privatunternehmungen mit einer verhältnißmäßigen Quote
des Anlagekapitals sollte eintreten, wobei zugleich der spätere Heim-
fall der Bahn an den Staat in Aussicht zu nehmen wäre.
Die Stände traten den vorgeschlagenen Maßregeln im Wesent-
lichen bei, und so wurde nicht blos das Erpropriationsrecht auf die
noch auszuführenden Hauptlinien erstreckt, sondern auch die Mit-
wirkung des Staats bei deren Ausführung in folgender Weise nä-
her bestimmt: Betheiligung des Staats bis zum dritten Theile des
Anlagekapitals, Verzinsung der eingezahlten Aktien während der Bau-
zeit, Verzicht auf Dividendengenuß bis eine Rente von vier Procent
gesichert ist; ferner Zinsengarantie während fünfIahren nach Eröffnung
der ganzen Bahn; wogegen sich der Staat vorbehielt, die Aktien nach
15 Jahren gegen Bezahlung des Nennwerths an sich zu kaufen.
Aus dem Statut der sächsisch-bairischen Gesellschaft von
1842 ist anzuführen, daß die Regierung des Königreichs und des
Herzogthums Sachsen-Altenburg sich vorbehielten, je einen Commissär
zu ernennen, wit der Bcfugniß, die Negierungen gegenüber der Com-
pagnie zu vertreten, den Versammlungen des Ausschusses und nach
Befinden auch des Direktoriums anzuwohnen, die Ausführung der
Beschlüsse des letzten erforderlichen Falls zu verhindern und in den
Generalversammlungen sowohl hinsichtlich der Form der Beschlüsse,

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