Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

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Pfeiffer:
welche eine Wiederholung der eingeriffenen Mißbräuche unmöglich
machen und die Lücken des Nechtszustandes ausfüllen sollten. Un-
ter den auf die Bitten mehrerer Deputationen von dem Kurfürsten
ertheilten Zugeständnissen stand oben an das Versprechen, sich mit
Rathgebern zu umgeben, welche das Vertrauen des Volks genießen.
Diese Zusage.ging alsbald in Erfüllung. Das neue Ministerium
machte sich zur Aufgabe, die Verfassung des Landes aufrecht zu
erhalten und den stürmisch andrängenden Wünschen gegenüber die,
nach den Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit und den For-
derungen der Gegenwart unabweisliche Fortentwickelung der Ver-
fassung nur auf dem, in dieser vorgezeichneten Wege zu gestatten.
Durch weise Vermittelung, durch Ernst und durch Nachgiebigkeit
zur rechten Zeit gelang es den Ministern, den Staat und den Thron
ungefährdet iHer die Stürme der Jahre 1848 und 1849 hinaus zu
führen. Während die Staatsregierung allen billigen Wünschen des
Volks durch Erlaß freisinniger Gesetze genügte, wußte sie auf der
andern Seite durch Verhindern, Handeln und Unterlassen die für
eine geordnete Negierung nothwendigen conservatorifchen Elemente
zu schützen. In der letzteren Richtung verdient besonders erwähnt
zu werden, daß das Ministerium den Landtag, welcher im Jahre 1847
unter sehr ungünstigen Einwirkungen gewählt war und in der öf-
fentlichen Meinung den Vorwurf des Servilismus auf sich geladen
hatte, beibehielt und unter dessen Mitwirkung die neuen Gesetze fest-
stellte. Noch mehr verdient es Beachtung, daß es dem Ministerium
gelungen ist, in dem neuen Wahlgesetz von 1849 eine so conserva-
tive Grundlage durchzusetzen, wie sie kein anderes, in jener Zeit
entstandenes, Wahlgesetz aufzuweisen hat. Ein Drittel sämmtlicher
Abgeordneten wird von der Classe der Höchstbesteuerten (ein
Wähler auf 1000 Einwohner) gewählt; die allgemeine Wahl ist
durch die Bestimmung des Census, beziehungsweise der Ansässigkeit
und des 30jährigen Lebensalters als Bedingung der qctiven und
passiven Wahlfähigkeit gegen den überwiegenden Einfluß der Be-
wegungspartei gesichert. Der nach dem neuen Wahlgesetze im
Juli 1849 zusammentretende Landtag war zu etwa zwei Drittheilen
conservatio, zu einem Drittheile entschieden demokratisch gesinnt.
Die Thätigkeit dieses Landtags war im Ganzen nicht bedeutend.
Die allgemeinen politischen Verhältnisse, die tief gehenden Zerwürf-
nisse der demokratischen und konstitutionellen Partei, die Nachwehen

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