Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

Hutegerechtigkeit. 221
die Kläger in der Ausübung ihres Huterechts auf der umgerotteten
Waldfläche nicht zu hindern. Und auch das Oberappellationsgericht
bestätigt dieses Erkenntniß: „in Erwägung, daß der Eigentümer
eines der Hute eines Anderen unterworfenen Bezirkes nicht berech-
tigt ist, durch eine der bisherigen Beschaffenheit dieses Be-
zirkes nicht entsprechende Cultur desselben die Ausübung jenes
Huterechts zu beschränken; auch die Behauptung eines aus der
unternommenen Cultur für die Huteberechtigten in Beziehung auf
die Ergiebigkeit oder Güte der Hute erwachsenden Vortheils diese
nicht verpflichten kann, sich in Folge derselben einer so wesentlich
veränderten Huteausübung, wie die auf Bauäckern, in Vergleichung
mit der auf Trieschen oder Waldstücken ist, zu unterwerfen" m).
20. Als die Besitzerin einer aus uralten und abständigen Bäu-
men bestehenden Waldung einen Theil derselben zum Behufe
ihrer Verjüngung, in Gemäßheit einer von dem Oberforftcol-
legium getroffenen Anordnung in Hege zu legen beginnt,
eine benachbarte Gemeinde aber, welcher das alleinige Recht zur
Rindviehhute in dieser Waldung zusteht, gegen die Einhegung pro-
testirt, und das Hüten auch in dem eingehegten Bezirke fortsetzt,
klagt Erstere gegen Letztere auf Unterlassung der Ausübung jener
Gerechtsame bis zur Erzielung eines neuen gehörigen Holzbestandes
in diesem Bezirke; wogegen die Verklagte unter anderm geltend
macht, daß, wenn die Klägerin durch Pflanzen, und nicht durch
Säen, die Verjüngung vornehme, die Ausübung des Huterechts
gar wohl mit der Ausübung des Eigenthumsrechtes bestehen könne.
Von dem Gericht erster Instanz wird hierauf der Klägerin
der Beweis aufgelegt, daß die Einhegung des in Frage stehenden
Bezirks zur Verjüngung des Waldes mittelst Besaamung und Un-
terlassung der Ausübung der fraglichen Gerechtsame nach forst-
wirthschaftlichen Gründen erforderlich sei, und nachdem
dieser Beweis erbracht worden, den Verklagten die Befugniß abge-
sprochen, die fragliche Servitut während der Einhegung auszuübeu;
dieses Erkenntniß auch in den beiden höheren Instanzen bestätigt;
von dem Oberappellationsgerichte insbesondere „in Erwägung, daß
die in dem Eigenthume an einem Walde gegründete Befugniß, den-
selben als solchen durch Cultur zu erhalten, und zu diesem

11t) Sinning g. Stadt Hersfeld. 1843.

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