Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

Hutegerechtigkeit. 185
gemeine Princip spricht W. H. P u ch taa7) dahin aus: daß die Ausübung
der Weidegerechtigkeit „den Eigenthümer des Weideplatzes nicht an
der durch Culturgesetze sanctionirten Benutzung des Grundes und
Bodens beeinträchtigen dürfe". Vorzüglich bemerkenswerth ist aber
die Unterscheidung, welche hiebei die Iuristellfakultät zu Göttingen
in einem von v. Selchow mitgetheilten Rechtsgutachten auf-
stellte zwischen solchen Beschränkungen, welche den Unterthanen zu
einem dem Staate nöthigen Zwecke auferlegt würden, und solchen,
wobei nur von der Verbesserung der herrschaftlichen Kammereinkünfte
die Rede wäre, zu deren Vergrößerung der Landesherr mittelst
Schmälerung der seinen Unterthanen zustehenden Rechte nicht befugt
sei; wovon sich die praktische Anwendung in der nachfolgenden be-
sonderen Erörterung der Waldhute zeigen wird. Die im Falle ei-
ner durch das öffentliche Interesse gerechtfertigten Beschränkung des
Huterechts einzelner Privaten diesen gebührende Entschädigung wird
regelmäßig durch eine dem pecuniären Werth der Hute entsprechende
Kapitalsumme oder jährliche Abgabe zu entrichten sein, kann aber
auch mittelst Ueberweisung anderer, zu der beabsichtigten Cultur nicht
geeigneten Hutebezirke, geschehen, letzteres insonderheit, wenn die
neue Cultur nur eine vorübergehende Unterbrechung der Hute mit
sich führt, wie bei Waldungen, theilweise auch bei Wiesen; oder sie
kann auch, wie vorzüglich bei der Vertheikung von Gemeinheiten,
durch Abtretung eines verhältnißmäßigen Theils des Hutebezirke zum
vollen Eigenthume bewirkt werden 49j. Heber die Art der Aus-
mittelung der auf die eine oder andere Art zu leistenden Entschä-
digung sind besonders die am Schluffe beigefügten Rechtsfälle 1 und 7
zu vergleichen. Der Grundsatz, daß die Einhegung eines Hutebezirks
zum Zwecke einer verbesserten Cultur einen Anspruch auf Entschädigung
durch Ueberweisung anderer Orte begründe, wurde in dem Rechtes. 3
von dem Staatsanwälte selbst anerkannt. — Die einzelnen Gegenstände,
wobei vorzugsweise die Anordnung einer im staatswirthschaftlichen In-
teresse ergiebigeren Culturweise der Hute unterworfener Grundstücke
Staatszweckes ein größeres Opfer, als verhältnißmäßig alle übri-
gen, zu bringen verbunden sei: m. prakt. Ausführungen. B. I-
S. 259. B. HI. S. 570.
47) Klagen der Landeigenthümer. S. 277.
48) Neue Rechtsfälle. Bd. II. S. 253.
49) H agemann, Landwirthschaftsrecht. § 104. S. 182.

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