Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

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B. W. Pfeiffer:
in die Reihe der eigenthümlich deutsch-rechtlichen Institute, daher
auch die nähere Erörterung derselben vorzugsweise in die Lehrbü-
cher der Germanisten ausgenommen wurde, und in denen des römi-
schen Rechtes mehrentheils auf jene nur verwiesen wird. Diesen,
durch den praktischen Gebrauch vermittelten, Uebergang bezeichnet
sehr richtig Sintenis^), indem er hiermit zugleich auf die verän-
- derte Stellung, welche die betreffende Lehre in dem Rechtssysteme
eingenommen hat, hinweist: „Diese Servitut (das römisch-rechtliche
Jus pascendi) ist in Deutschland sehr mannichfaltig und bestimmt
ausgebildet; sie ist eine der wichtigsten und gewöhnlichsten gewor-
den, und von ungleich größerer Bedeutung, als sie bei den Römern
gewesen sein kann. Darüber gehört das Weitere in das deutsche
Recht." Auf diese Weise erklärt sich auch Maurenbrechers 3 4)
Bezeichnung der Hutegerechtigkeit als „neugebildeter landwirthschaft-
licher Servitut."
Der Begriff der Hutegerechtigkeit bestimmt sich ganz einfach
dahin: sie ist das dingliche Recht, Bieh auf das Grundstück eines
Anderen zur Weide zu treiben. Das, von den Schriftstellern ge-
wöhnlich nicht in den Begriff mit aufgenommene, Merkmal der Ding-
lichkeit ist erforderlich, um die Eigenschaft der hier in Frage stehen-
den Hutegerechtigkeit als Prädialservitut zu bezeichnen. Dagegen
erscheint als überflüssig die von Mehreren 5 6) darin aufgenommene
Beschränkung auf dasjenige Vieh, welches zum Gebrauche des herr-
schenden Grundstücks gehört und zu dem landwirthschaftlichen Be-
trieb auf demselben nöthig ist; denn diese Bestimmung enthält kein
der Hutegerechtigkeit eigenthümlicheö Merkmal, sondern ist in dem
ihr zukommenden Charakter einer Prädialservitut überhaupt schon
begründet, indem nämlich eine solche nothwendig mit dem herrschen-
den Grundstücke in einer reellen Verbindung steht, und der Besitzer
dieses Grundstücks nur als solcher, nicht aber für seine Person, als
berechtigtes Subjekt erscheint daher auch dieselbe nur im Inter-

3) Praktisches Civilrecht. B. l. § 65. Note 26.
4) Lehrb. des deutschen Privatrechts, ll. Ausg. § 263. f.
5) v. Weniug-Ingenheim, Lehrbuch des Civilrechts. H. Auög.
B I. § 150. Puchta a. a. O. S. 269.
6) Das herrschende Grundstück ist hier „das Subjekt des Rechts:"
Hugo, civilistisches Magazin. B. H. S. 352.

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