Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

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Kraus:

ist — jede Verfügung von Todes wegen sich anschließt^). Diese
Lehre setzt schon voraus, daß eine Erbfolge durch Vertrag begrün-
det werden könne, und daß bei einer Kollision des vertrags-
mäßigen und des letzten Willens jener vorgehe. Es ist nicht
wohl möglich, dieß aus dem Wesen der Erbfolge nachzuweisen. Hat
der Verstorbene, der einem Andern seine Erbfolge vertragsmäßig
zugesagt hat, kein Testament gemacht, so liegt es für den Willen
des Gesetzes nicht fern, in jenem Vertrags) den letzten Willen zu
finden. Hat aber der Verstorbene trotz des Vertrags ein Testa-
ment gemacht, so läßt sich diese Voraussetzung nicht begründen.
Wie sollte nun die Repräsentation des Verstorbenen auf einen von
seinem letzten Willen verschiedenen Willen möglich gemacht werden ?
Wie kann nur Jemand berufen sein, an die Stelle des Verstorbenen
in dessen Rechtsgebiet einzutreten, der grade durch den letzten Willen
des Verstorbenen von dieser Stelle ausgeschlossen wird? Der eigent-
liche Fehler dieser Ansicht liegt darin, daß ein bloßes Interesse oder
eine bloße Hoffnung rechtlich geschützt werden soll, und daß man,
weil der Grund — die Aufhebung der Persönlichkeit — zu weit
geht und deßhalb rechtlich nicht anerkannt werden kann, nun einzelne
Handlungen, deren Rechtsbestand auf der anerkannten Persönlichkeit
beruht, deßhalb angreift, weil sie das Interesse und die Hoffnung
am meisten zu gefährden scheinen. So knüpft sich an den Ver-
lust des Rechts, ein Testament zu machen, der Verlust des
Rechts zu jeder Verfügung von Todeswegen. Von da ist der
Uebergang zu den Geschäften unter Lebenden, wenigstens wenn sie
in der Absicht eingegangen werden, „das eingeräumte Recht^) zu
beeinträchtigen. B e se l e r, welcher die Einrichtung der vertragsmäßi-
gen Erbfolge als eine unvollkommene und gefährliche dargestellt,

29) Vergl. die von Beseler a a. O. Th. 2. S 263 citirtenHom-
mel, Eichhorn, Mittermaier. Beseler selbst ist anderer
Meinung. Er gestattet im Grundsatz Verfügungen, insbesondere
Schenkungen sowohl unter Lebenden als von Todes wegen S. 262.
30) Ueber die Form zur nothwendigen Sicherheit seiner Existenz wird
hier nichts gesagt. Das ist -»8 eivile.
31) Beseler a. a O. Th. 2. S. 260. Uebereinstimmend ist Eich-
horn, Einleitung 344: „wenn sie in der Absicht, sein Recht
zu vereiteln, unternommen werden "

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