Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

Vermögensrechte des überlebenden Gatten. 135
sich ein anderer Wille unmittelbar anschließt. Ein von dem
letzten Willen verschiedener bringt das Recht mit sich selbst in
Widerspruch. Die Richtigkeit dieses Gedankens läßt sich aus der
konsequenten Durchführung im römischen Recht Nachweisen. Nicht
nur die alte Testamentsform bestätigt ihn, sondern auch folgende
Sätze: es wird beim Leben des Menschen keine Erbfolge eröffnet;
die durch das Gesetz nicht Berufenen können nur durch einen letzten
Willen (Testament) berufen werden; wer einmal Erbe geworden
ist, bleibt Erbe; Niemand kann zum Theil mit, zum Theil ohne
Testament beerbt werden -- lassen sich alle als konsequente Anwen-
dungen aus dem Wesen der Erbfolge Nachweisen. Dagegen läßt
sich aus der Lehre über die durch Vertrag begründete Erbfolge
Nachweisen, daß diese auf kein Princip zurückgeführt werden kann
und daß die daraus hervorgegangenen Streitfragen keine rechtliche
Erledigung finden können. Den Mittelpunkt dieses Streits bildet
wohl die Frage, wann der zur Erbfolge vertragsmäßig Berufene
ein Recht erlangt, und worin dieses Recht besteht? Hier befindet
man sich in der Alternative, Demjenigen, welcher einem Andern die
Erbfolge vertragsmäßig zusagt, die Persönlichkeit in Folge des
Vertrags entweder abzusprechen, dieselbe wenigstens zu suspen-
diren oder sie ihm zuzugestehen. Dort würde sich ein der rö-
mischen Sklaverei ähnlicher Zustand vorfinden, weßhalb auch
in dieser Beziehung eine res in commercio28) nicht anerkannt wird;
hier aber würde jede Beschränkung fehlen, um die Person an irgend
welchem rechtlichen Geschäft zu hindern. Grade weil sie sich im
vollständigen Besitz ihrer Persönlichkeit befindet, weil also der Grund
ihrer Rechtsfähigkeit nicht beschränkt ist, läßt sich unmöglich ein
rechtliches Geschäft finden, das sie vorzunehmcn nicht befähigt wäre.
Wenn aber die Befähigung vorhanden ist, wie sollte denn sonst die
Beschränkung des Rechts begründet werden? Die entgegengesetzte
Ansicht, wie sie auch ausgeführt werde, trägt die Willkür in sich.
In der Doktrin wird zunächst das Recht, ein Testament zu machen,
angegriffen, wonach — weil damit dem Ziel nicht genügend gedient

28) Die hereditas eines Lebenden ist ähnlich der Kereäitss eines nie-
mals Gxistirenden. Von jener sagt der Zurist: „in rerum natura
non est“. fr. 1. Dig. 18, 4- cf. fr. 7. ibid.

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