Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

130

Kraus:

ihrem Wesen gehörige Nechtsgemeinschaft fehlt"). Allein es liegt
die Beantwortung dieser Frage in der obigen Erörterung, weßhalb
die dort geltend gemachten Gründe für den Vertrag") entscheiden.
Die verschiedenen positiven Institute, welche sich in Folge hiervon
im deutschen Recht finden, sind ebenso zufällig, als das auf römischer
Sitte und Gesetzgebung beruhende Resultat, nach welchem während
der Ehe die Vermögensrechte eines jeden der beiden Ehegatten ge-
trennt sich darstellen. Es liegt in dem Wesen der Ehe, in den zu-
fälligen und verschiedenen Bedürfnissen des Gebens und des Schick-
sals, daß daran sich zufällige Sitten knüpfen, in denen die verschie-
denen Institute sich gebildet haben. Dieselben einzeln zu verfolgen,
liegt nicht in der Aufgabe des gegenwärtigen Aufsatzes. Dagegen
ist nicht zu übersehen, daß die praktische Seite des Rechts nicht in die
Zeit der Begründung, sondern in die der Theilung fällt, und daß,
wenn der überlebende Ehegatte zugleich zur Erbfolge berufen ist,
sehr häufig kein Interesse vorliegt, näher zu untersuchen, ob sein
Vermögensrecht auf die vertragsmäßig hervorgerufene Gemeinschaft
oder auf die Erbfolge gegründet ist. In den Statuten, welche
die Sitten ihres Territoriums ausgeschrieben haben und vorbehält-
lich der bei Eingehung der Ehe oder nachher getroffenen Verabre-
dungen die Vermögensrechte des überlebenden Ehegatten enthalten,
können deßhalb beide Gründe mehr oder weniger verwischt sein.
Die Unterscheidung selbst muß hier in jedem einzelnen Statut ge-
funden und vor Allem auf eine gründliche Kenntniß der Geschichte")
gebaut werden. Wenn hiernach die Frage gestellt wird, ob die
Vermögensrechte des überlebenden Ehegatten durch einseitige letzt-
willige Verfügung des Verstorbenen aufgehoben oder beschränkt
werden können, so muß unterschieden werden 1) das durch den
Ehevertrag begründete, durch den Tod nur gestörte Recht, 2) das

13) „Daher tritt sie (die Gütergemeinschaft) auch ein, wenn die Ehe-
leute erst späterhin an einen Ort ziehen, wo sie gilt" a. a.O. §. 307.
14) Vergl. Pfeifer a. a. O. und Hagemann a. a. O.
15) Vergl. Euler in dieser Zeitschrift X. S. 1 fgg. S.32. 37. Gegen
das jus communionis muß jedoch bemerkt werden, daß dieses nur
dann eintreten würde, wenn die Gemeinschaft eine zufällige wäre,
und daß es nicht so theilen würde, wie es geschieht.

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