Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

Realgemeinden. 123
richtig — und ich habe diese Ansicht in meinem Privatrechte §. 755
selbst aufgestellt: —die Körperschaften sind nach unserem Sprach-
gebranche Reibende Vereine zu- öffentlichen Zwecken, welche durch
die Gesetze des Staats anerkannt und gewährleistet sind. Aber
1) fragt es sich: sind die Realgemeinden bloße privatrechtliche Asso-
ciationen; findet nicht bei ihnen nebenbei noch eine öffentliche Be-
stimmung statt? 2) Selbst wenn letzteres nicht wäre, so würde
daraus doch nicht folgen, daß den Realgemeinden keine juristische,
von der Individualität ihrer Mitglieder getrennte, Persönlichkeit zu-
komme; denn auch Privatvereine mit moralischer Persönlichkeit kom-
men in unsere)» Rechte vor, ohne deßhalb zu den Körperschaften
gezählt zu werden. Aber auch 3) jede Privatgesellschaft bildet in-
nerhalb ihres Kreises ein Ganzes, eine juristische Persönlichkeit; na-
mentlich ist die Mehrheits-Entscheidung häufig eingeführt. (Ich darf
wohl auch in Beziehung hierauf der Kürze halb verweisen auf mein
württ. Privatrecht §. 745).
Nicht minder auffallend ist die Begründung des Obertribunals:
Es gebe kein deutsches Gesammteigenthum, sondern nur das rö-
mische conäominium pro indiviso; also entscheide nicht die Mehr-
heit der Miteigenthümer, sondern jeder habe ein liberum veto. Auch
hier ist übersehen, daß es außer der allerdings mystischen Vorstel-
lung vvU einem eondominium plurium in solidum und dem wah-
ren eondominium doch noch etwas Drittes gibt, nämlich das ein-
fache Eigenthum der juristischen Person der Genossenschaft, und daß
hierauf sich gerade diejenigen stützen, welche die Idee eines Ge-
sammteigenthums in Anwendung auf unsere Allmanden und Ge-
meindenutzungen verwerfen. (M a u r e n b r e ch e r, deutsches Privatrecht
§. 187. Mein Privatrecht H. 281, wo auch noch weitere Literatur.)
Hat aber die Realgemeinde selbst das Eigenthum, so können es
nicht auch wieder die Einzelnen haben.
Bei dieser mangelhaften Auffassung des Begriffs ist eS nicht
zu verwundern, daß auch die Entscheidung der beiden höheren Ge-
richte unrichtig ausgefallen. Doch sollte man es kaum für möglich
halten, daß die einfache Streitfrage: ob zur Verlegung eines Wegs
von einer Stelle der Allmand zur andern Stimmeneinhelligkeit der
Allmandgenossen gehöre? im Widerspruch nicht blos mit dem Aus-
sprüche erster Instanz, sondern auch mit der Natur der Verhält-
nisse und dem praktischen Bedürfnisse bejahend entschieden worden.

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