Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 13 (1852))

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Römer:

HI) das Verhältniß der Genossen zu dem Ob-
jekte (der Allmand)
betrifft, so ist ihr Recht unbezweifelt ein dingliches Recht an
einer fremden Sache, — an dem Eigenchum der Corporation,
der Allmand. Sie sind jedoch weder Servituten noch Realrechte.
Personalservituten sind sie nicht, weil diese mit dem Tode der
Berechtigten erlöschen und nicht veräußert werden können, während
die Gemeinderechte vererblich und veräußerlich sind. Realservituten
sind sie nicht, weil sie nicht nothwendig aktiv mit einem Grundstück
verbunden sind. Aus demselben Grunde können sie nicht als Real-
rechte betrachtet werden. Dieß sind die unmittelbar praktischen Gründe.
Es wäre jedoch nicht minder unrichtig, die Gemeinderechte für die
Zeit als Realservituten oder Realrechte zu betrachten, in welcher
die Bedingung ihres Erwerbs und Besitzes-der Besitz von Grund-
eigenthum in der Mark war, denn dieß war nur mittelbar, d. h.
nur insofern der Fall, als der Genosse Theil an der gemeinen Mark
hatte, oder der Grundbesitz überhaupt Bedingung der Aufnahme
in die Genossenschaft war; die Gemeindenutzungen standen, nie
in einem unmittelbaren Verhältnisse zu bestimmten Grundstücken, als
deren Annerum, wie dieß bei den Realservituten und Realrechten
der Fall ist. — Dasselbe gilt für die Zeit, da die Gemeinderechte
insofern mit dem Grundbesitz der Einzelnen in Verbindung kamen,
als die Zahl der firirten Nutzungsrechte nach dem Umfang des Grund-
besitzes vertheilt wurde; denn dieß geschah, weil man die Ansicht
hatte, es sei jeder in dem Maße Genosse, in dem er zu den ge-
meinschaftlichen Lasten beizutragen vermöge, und weil man den Maß-
stab für die Fähigkeit hiezu lediglich in der Größe des Grundbe-
sitzes fand. Immer erscheint daher der wahre, unmittelbare Grund
der Theilnahme an den Nutzungen der Allmand die Eigenschaft als
Genosse, und nur mittelbar, so fern diese Eigenschaft auf dem
Grundbesitz beruhte, das Grundeigenthum. — Demnach bleibt nichts
übrig, als die sogenannten Realgemeinde-Rechte als dingliche Rechte
an einer fremden Sache von besonderer Art zu betrachten. Sie
haben zwar den allgemeinen Charakter der jurs in ro slieng, aber
nicht die Momente einer der speciellen in unserem Civilrecht allge-
mein ansgebildeten, zu einem bestimmten, allgemeinen Rechtsprinzip
erhobenen Unterarten der jurg in re slien». Sie sind ein rechtlich
anerkanntes, individuelles Verhältniß, das Resultat bestimmter hi-

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