Full text: Volume (Bd. 13 (1852))

Realgemeinden. 111
Realgenossenschaft zur juristischen Person erheben"; dieß ist ganz
irrig: denn einmal ist es eine schon an sich, prinzipiell falsche
Auffassung, wenn man glaubt, jede einzelne juristische Person be-
dürfe zu ihrer Entstehung allemal einer speziellen Concession der
Staatsgewalt, während doch ebenso gut durch einen Rechtssatz (und
diese Entstehung ist sogar als Regel anzunehmen) ein für allemal
gewissen Dingen unter gewissen Voraussetzungen, und einer gewissen
Classe von Gesellschaften die juristische Persönlichkeit ertheilt fein
kann (wie dieß im römischen Recht bei den Gemeinden, der Kirche
und den Kirchengemeinden, dem Staat, der Erbschaft und der pia
causa wirklich der Fall ist) 17). Dann aber ist es noch speziell un-
richtig, eine solche Concession des Staats für die Realgemeinden zu
verlangen, da sie doch, und zwar nicht nur als Rechtsbegriff, als
Rechtsinstitut betrachtet, sondern auch wohl großenthcils als einzelne,
concrete Realgemeinden, viel älter sind als der Staat selbst in sei-
ner dermaligen Gestalt und als bei allen juristischen Personen von
diesem Alter eine positive Regel über die Bedingungen ihrer Ent-
stehung nicht nöthig, ja das Aufstellen einer solchen absolut wider-
sinnig ist 18).
Wollte mit obiger Argumentation etwa noch weiter behauptet
werden: die Realgemeinden haben zwar die juristische Persönlichkeit
gehabt, aber durch das Entstehen der heutigen Gemeinden, durch
ihr Herabsinken zu Privatgemeinschaften, wieder verloren, so wäre
hiergegen einzuwenden, daß der Begriff einer vermögensrechtlichen
Gemeinschaft den Charakter einer juristischen Person nicht ausschließt,

düng auf den vorliegenden Fall betrifft, so wird man jedenfalls
darin dem Verfasser vollständig beitreten müssen, wenn er der Ge-
meinschaft der Realberechtigten juristische Persönlichkeit beilegt.
Ob aber dieselbe als Korporation oder wie sonst aufzufaffen sei,
darüber läßt sich streiten; und ich möchte in dieser Beziehung (ob-
wohl im Resultate mit dem Verfasser einverstanden) den Streit
nicht für geschlossen halten. R.
17) Dieß ist namentlich treffend hervorgehoben und -usgeführt von
Duchta, Pandekten 8. 28. Vorlesungen Bd. I. S. 63. folg., und
bei Weiske a.a.O. S. 67. und 68. s. auch Kierulff, Theorie
des gemeinen Civilrechts Bd. >. S. 131. 132. Gerber a. a. O.
§. 49.
18) von Savigny a. a. O. S. 275. und 242^

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