Full text: Volume (Bd. 5 (1841))

Viehverstellung.

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Die Lage der Sache ist dem deutschen Recht gemäß diese. Wie
der Einsteller bei der Viehverstellung als Bestandvertrag keine Gefahr
am eingestellten Vieh trägt, weil er keinen Nutzen dafür hat, wie er
beim contractus socidae die Hälfte der Gefahr trägt, weil er dafür
die Hälfte an der Nachzucht und Werthserhöhung erhält, ohne des-
halb Eigenthümer zu werden, wie er ferner bei der Viehverstellung
als Societät keine fremde Gefahr trägt, wenn er dafür keinen Nutzen
hat, und wo er sie trägt, dafür zwar Vortheile genießt, aber in der
Regel das Eigenthum nicht erwirbt, so hat er hier beim Eisernvieh-
vertrag alle Gefahr zu tragen, weil er allen Nutzen hat, ohne des-
wegen Eigenthümer zu werden. Der Eisernviehvertrag erhält seine
Aufklärung nicht durch die damit verbundene Güterpacht, sondern aus
der Viehverstellung, wovon er eine besondere Art bildet.
Die rechtliche Stellung des ganzen Geschäfts ist demgemäß die-
daß es ein Pachtvertrag des Guts cum pacto adjecto einer Vieh-
verstellung ist, welche letztere ihrer Natur angemessen wieder eine
Assecuranz in sich begreift. Wie bei sonstigen Versicherungen die ver-
sicherte Sache angeschlagen wird, so ist auch hier das überlassene Vieh
tarirt worden, damit der Verpächter vom Pächter und Versicherer nach
beendigtem Geschäft in Ermangelung des verstellten Viehes andere
Stücke von gleicher Art und Güte, oder die Tarationssumme in Geld zu-
rückerhalte. Die Prämie für die Assecuranz liegt in dem Empfang
der ganzen Nachzucht, und überhaupt der Nutzungen, die bei der halb-
theiligen Viehverstellung gemeinschaftlich werden, und in der Werths-
erhöhung des verstellten Viehes, welche dem Pächter und Einfteller
bei dieser Art der Viehverstellung allein zu Gute kömmt. Durch letz-
teren Umstand erhält das Geschäft eine Beimischung aus der Socie-
tät, und man kann deshalb die Behauptung der Schriftsteller nicht
ganz verwerfen, welche den Eisernviehcontract als aus Pacht und
Societät zusammengesetzt ansehen 9). Offenbar hat und behält der
Verpächter und Versteller das Eigenthum bis auf den Tarationswerth,
und an dem Ueberschusse bekömmt der Pächter und Einsteller das
ideelle Eigenthum. Wenn demnach ein Stück Vieh zu 80 fl. ange-
schlagen wurde, nach einem Jahre aber 100 fl. werth ist, so hat der
Verpächter daran das Eigenthum zu 8%oo, während es dem Pächter
zu 2«/ioo zusteht.
9) Runde, deutsches Privatrecht §. 201- Brauer, Erläuterungen Thk. 5.
S. 830.

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