Full text: Volume (Bd. 5 (1841))

Viehverstellung.

291

Wie jedoch die Lehre von der Bcweislast in solchen Verhält-
nissen nach gemeinem Recht überhaupt bestritten ist, so waren insbe-
sondere über den vorliegenden Fall auch die Ansichten der französi-
schen Schriftsteller getheilt. Die meisten legten unbedingt dem Ein
steller den Beweis des Zufalls auf, während nach der Coutume de
Berry' ") der Versteller immer zum Beweis der Schuld angehal-
ten worden seyn soll, weil der Einsteller wegen seines Gewinnan-
theits ein zu großes Interesse an der Erhaltung des Viehes habe,
als daß man ihm eine Vernachläßigung Zutrauen könne, und weil
es der weit gewöhnlichere Fall sey, daß das Vieh an Krankheiten
und sonstigen Zufällen sterbe, als daß es durch Vernachläßigung re.
zu Grunde gehe. Diese Bestimmung hat in legislativer Hinsicht
eine gewisse Billigkeit für sich, die Cousequenz eines Rechtssystems
steht aber ihrer Aufnahme entgegen. Daß übrigens der Einfteller
beim zufälligen Untergang dem Versteller wegen der Häute Rechen-
schaft abzulegen hat, versteht sich von selbstn), so wie auch die dar-
gestellten Beweisgrundsätze auf die Versehen des Verstellers ohne
Schwierigkeit angewandt werden können.
8. 22.
2) Die Pflicht zur Abtheilung.
Zur verabredeten oder herkömmlichen Zeit, jeden Falls aber mit
Auflösung des Geschäfts, haben beide Contrahenterl die Verbindlichkeit
zur Abtheilung zu schreiten. Ist eine Zeit für die Theiluug des ge
meinschaftlichen Gewinnes vor Beendigung des Geschäfts festgesetzt,
so hat es natürlich dabei sein Bewenden, und es kann dann zwar
jeder Contrahent seinen Miteontrahenten zur Abtheilung zwingen,
und im Weigerungsfall Entschädigung wegen des ihm dadurch ver-
ursachten Verlustes fordern, aber nicht nach Willkühr eine Abthei-
lung verlangen. Eine Ausnahme von dieser Regel tritt jedoch dann
ein, wenn es bei Eingebung des Geschäfts in die Willkühr eines

1> Ul' est tenu de prouvcr la laute qn’il impute au preneur. Vgl.
dazu bad. Land recht ood. Art und Brauer, Erläuterungen.
Bd. III. S. 624. 625.
tu Vgl. darüber Pothicr I <•. 92.
\2) Cntlr civil Art. 1809: -,1-e preneur qui est decliargc par !e ras for
hiil. est loujotirs temi rendre compte des peaux des heles.“

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