Full text: Volume (Bd. 5 (1841))

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Michelsen:

wie bei einer singulären Vorschrift, die nicht in einer allgemeinen
ratio juris wurzelt, kann mithin richtiger Theorie nach die Rede
hier nicht seyn -s).
Unser Tert ist, nach dem Vorstehenden, in Bezug auf den
Sohn als Leibeslchenserben wie eine consequente Folgerung aus
dem römischen Prinzip von dem strengen Repräsentativcharakter des
Erben überhaupt anzusehen. So aufgefaßt, ergiebt sich aber nun
weiter, nach Anleitung des römischen Rechts, für die Anwendung
desselben folgende Conscquenz.
Unser Gesetz schreibt wörtlich vor, daß der Sohn des verstor-
benen Vasallen entweder beides, Allod und Lehen, annehmen oder
beides ausschlagen soll: aut utrumque retineat, aut utrumque
repudiet. Also eine Erklärung des Sohnes, welche beides trennt,
welche das Eine annimmt und das Andre ausschlägt, ist gesetzwidrig.
Hat er sich etwa dahin erklärt, daß er das hinterlassene Lehengut
des Vaters annehmen wolle, sonst aber die väterliche Erbschaft aus-
schlage, so ist diese Erklärung dem Gesetze nach unstatthaft, also
wirkungslos, unverbindlich. Die Absicht, daß er nicht Erbe wer-
den will, ist klar; seine Behandlung nach den Regeln über die pro
berede gestio dadurch ausgeschlossen. Es würde in solchem Falle
abseiten der Gläubiger, wie der Betheiligten überhaupt, dem Rechte
nach auf eine bestimmte, dem Gesetze gemäße Erklärung zu bestehen
seyn; denn will er überhaupt nicht Erbe seyn, so muß er auch das
Lehengut aufgeben. Hingegen ein Recht, den Sohn, der sich aus-
drücklich dahin erklärt hat, daß er des Vaters Erbe nicht seyn will,
dennoch als Erben zu behandeln und zu belangen, läßt sich nicht
vertheidigen. Denn jene Erklärung des Sohnes, welche das Lehen
und die Allodialerbschaft trennt, was dem Gesetze-nach unzulässig
ist, haben wir nach den allgemeinen Regeln zu beurtheilen, welche
das römische Recht *j über die unter ungesetzlichen Bedingungen
und Beschränkungen erfolgte Antretung oder Ausschlagung von Erb-
schaften enthält. Diese gehen aber in der Hauptsache dahin, daß
eine solche Erbschaftsantretung, die dem Gesetze nicht entspricht,

'y I 1. 1. 2. I. 51. §. 2 1. 75. I). de ad<j. vol omill. bered. I. 77.
I) de R J.

+> S. die Anm. der Herausgeber am Schlüsse dieses Bandes.

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