Full text: Volume (Bd. 5 (1841))

Auslegung von II. F. 45. 211
keinesweges unsere Absicht. Immer wäre dabei, wie überhaupt in
der juristischen Dogmengeschichte, der Grundsatz sestzuhalten, daß
nicht jede Beschränktheit oder jede Grille, die durch die Presse ins
Publicum gebracht worden, den Namen einer Rechtscontroverse ver-
dient. Es sollen in der folgenden Darstellung nur die Hauptgegen-
sätze der verschiedenen Ansichten und Auslegungen angedeutet und
hervorgehoben werden.
Der Inhalt unseres Tertes, einfach übertragen, ist dieser:
Tritt der Fall ein, daß ein Vasall ohne alle Nachkommen stirbt,
so kann ein Agnat, dem die gesammte Erbschaft zufällt, die Erb-
schaft ausschlagen, und doch das Lehen, wenn es ein altväterliches
ist, behalten, ohne daß er gezwungen ist, zur Abtragung der Erb
schaftsschulden irgend mit dem Lehen aufzukommen; aber die Lehens-
früchte, wenn der Vasall solche bei seinem Tode hinterließ, haften
allerdings für die Schulden.
Hat der Vasall dagegen einen Sohn hinterlassen, so kann die-
ser nicht die Erbschaft ohne das Lehen ausschlagen, sondern er muß
entweder beides behalten, oder beides ausschlagen, und schlägt er
aus, so fällt das Lehn, wenn es ein altväterliches ist, an die Agna-
ten. Obgleich er also das Eine nicht ohne das Andere behalten
darf, so kann doch der Lehnsherr, wenn er will, unter Einwilligung
der Agnaten ihn mit dem Lehn als einem neuen Lehn investiren,
und dadurch wird ihm dann die Möglichkeit gegeben, die Erbschaft
auszuschlagen und dennoch das Lehn anzunehmen, ohne mit erb-
schaftlichen Lasten beschwert zu werden.
Hierin sind offenbar zwei Hauptbestimmungen enthalten, näm-
lich: a) ein Agnat, ein Seitenverwandter succedirt in das Lehen,
auch wenn er die Allodialerbschast ausschlägt; b) ein Sohn, ein
Descendent succedirt immer nur in das Lehen und Erbe zusammen.
Was die erstere Bestimmung angeht, welche die Lehns- und
Allodialsuccession sich entgegensetzt und beide trennt, so ist sie den
Schriftstellern zu Ende des vorigen Jahrhunderts als eine ganz
natürliche erschienen, welche die Lehensfolge überhaupt als eine
Singularsuccession ansahen, meistens schlechthin als successio ex
pacto et providentia majorum. Die andere Bestimmung aber,
worin Lehen und Allod für den Sltccessor als unzertrennlich, als
Einheit behandelt ist, war es, welche für manche Interpreten ein
so schwieriges, ja rätbselbaftes Problem wurde. Man konnte sich

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