Full text: Volume (Bd. 5 (1841))

lieber die Notnunft an Frauen. 13
fachung des einfachen Wergelds von l50; die andern 450 waren
weniger eigentliche Composition als muleta oder kreäum.
Zuletzt sey von den Volksrechten des wisigothischen gedacht, wo
uns III. 3, 1—7 schon undeutsche Vorschriften begegnen. Entrinnt
die Geraubte unbefleckt aus der Gewalt des Räubers, so hat er ihr
die Hälfte seiner Habe abzutreten. Unterlag sie ihm aber, so soll
er sie durch reine Composition erwerben können, vielmehr sein gan-
zes Vermögen ihr zufallen, er öffentlich 200 Geiselhiebe empfangen,
seine Freiheit verlieren und den Eltern der Gemißhandelten oder
ihr selbst als Knecht dienen. Nur wenn er vorher mit einer an-
dern Frau eheliche Söhne gezeugt hatte, geht auf diese seine Habe
über, während er selbst in Knechtschaft geräth. Wagt die Geraubte
sich ihm zu vermählen, so trifft beide Todesstrafe; gelingt die Flucht
zum rettenden Altar, so wird ihnen das Leben geschenkt, aber es
erfolgt Scheidung und Knechtschaft. War die Geraubte einem an-
dern verlobt und die Eltern begünstigten hernach den Räuber, so
sind sie gehalten den verabredeten Kaufpreis dem Bräutigam vier-
fach zu zahlen, und der Räuber verfällt ihnen als Knecht; des Räu-
bers Eigenthum wird sonst halb der Geraubten, halb ihrem Bräu-
tigam überwiesen; falls er ohne Vermögen ist, wird er verkauft
und der Kaufpreis unter das Mädchen und den Bräutigam gleich
vertheilt. Hatte ein Bruder als Vormund den Raub der Schwe-
ster gefördert, so verliert er an sie sein halbes Vermögen und erhält
50 Hiebe. Von eigentlicher Composition, im Sinne des deutschen
Rechts, ist in allen diesen Fällen keine Rede.
Fassen wir nun die bisher erörterten Volksrechte des Alterthums
zusarnmen, so leuchtet ein, daß sie nicht auf alle hier entspringenden
Fragen Antwort geben. Zumeist angelegen ist ihnen die Feststellung
der Composition, wodurch sich der Räuber zu lösen vermag; über
das gegen ihn stattfindende Verfahren, um die Geraubte schnell aus
seiner Gewalt zu retten, gibt es gar keine Auskunft, und über das
Schicksal der Geraubten keine vollständige, sichere. Im salischen
Gesetz wird ihre Rückgabe neben der Buße verordnet; damit scheint
unverboten, daß der Räuber sie nachher um den gewöhnlichen Kauf-
preis vom Vater oder Vormund erwerbe. Kommt also die Ehe
später zu Stand oder nicht, so hängt das mit jener Composition
nicht zusammen. Nach ripuarischem Recht mag es sich ebenso ver-
halten, wenn schon des Capitate insgemein nicht erwähnt wird.

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