Full text: Volume (Bd. 5 (1841))

Juristische Gewere an Mobilien. 151
daß, wenn die Sache diese Wendung nahm, nur dem Bestohlenen
oder Beraubten die Durchsetzung der Klage möglich war.
Es zeigt sich nun in den ebengenannten Fällen, daß auch der
redliche Inhaber eines Mobile, wenn er nicht eine eigne Production
desselben zu erweisen vermogte, nie sein eigner Gewere sepn konnte,
sondern immer fremder Gewerschaft bedurfte3r). Der ganze Or-
ganismus der Procedur erscheint darauf berechnet, entweder den zu
ermitteln, der auf unredliche Weise dem Kläger das Gut entzogen
hat, oder auch es zur Gewißheit zu bringen, daß dem Kläger das
Gut nicht zuständig ist, wie wenn der Beklagte oder ein Auctor
desselben die eigne Production erweist33), oder auch den Kläger
selber als den Gewerleistungspflichtigen darzustellen,
wenn der Beklagte oder dessen Auctor erweist, das Gut von dem
Kläger selber mit dessen Willen erhalten zu haben 34). Konnte der
Beklagte selber dem Kläger keine Gewerleistungspflicht entgegen-
setzen, fand er aber einen Auctor, der dieses unternahm 3I, so
sicherte dieser Sieg ihm das Innehaben des Guts 30), während er
32) Sehr entschieden drückt diese Regel, und die darin liegende Ver-
schiedenheit vom römischen Verfahren aus die bei Kraut a. a. O.
S. 213 abgedruckte 1onn. ad ed. Rotharis c. 9.34 'crbis: Longo-
bardos semper dat auctorem, et nunquam stat loco auctoris; at
Romanus semper stat loco auctoris, et nunquam dat, auctorem.—
Daher die Bestimmung im Verm. S. Sp. IV. 15.11. Gosl.Stat.
(Göschen) S. 99. Z. 43. 44. Wal en man varendes gudes verholt,
des scliat he emchlikcn vor rcchtcme anevanghe oder sine rech-
ten erven gliederen. — Eben fo ist es denn auch bei Immobilien,
wenn der Anetor den Erwerber nicht in die Lage gesetzt hat, eine
red)te Gewere zu erlangen. Sachs. Ld.R. l. 9. - Ein Jrrthum
ist es also, wenn Appelius a. a. O. S. 78 annimmt, das; bei
beweglichen Sachen der Besitzer durch Erlangung des Besitzes sein
eigner Gewere geworden.
33) Vergl. oben Note 28.
34) Vergl. oben Note 29.
35) Dies geschieht durch Beweis des Vertrags mit Zeugen, der aber
nur dem Kläger gegenüber zulässig ist. Sächs. Ld.R. Hl. art. 4.
Vergl. indes; auch Gaupp a. a. O. S. 138.
36) Dieser Steg musste ntcht bloß dann, wenn der Eigenthümer tioch
überall keine Rücksordernngsbefugniß hatte, sondern auch dann
eintreten, wenn der Streit z>l einer Zeit stattsand, wo die Rück-

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