Full text: Volume (Bd. 5 (1841))

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Zöpfl:
bleiben. Allein dieser Unterschied läßt sich entweder rein subjektiv
auffassen und ansbilden, so daß die Natur des Objectes des Rechtes
oder der Leistung ganz außer Frage bleibt, wie z. B. das römische
Recht gechan hat — oder jene Unterscheidung wird mehr objectiv
und sinnlich aufgefaßt, und der Umfang der Wirkung eines Rechtes
mit der Eigenschaft seines Gegenstandes als einer beweglichen oder-
unbeweglichen Sache in Beziehung und Abhängigkeit gebracht. Dieß
ist die characteristische Auffassungsweise des Rechtes und der Klagen
im deutschen Rechte; cs ist jene Auffassungsweise, welche man als
eine mütterliche Mitgift noch deutlich in den Rechten aller jener
Nationen findet, welche sich von dem Schooße der großen Völker-
mutter Germanien losgerissen, und sich neue Sitze, sei cs auf den
Trümmern der römischen Monarchie, oder auf dem freien Boden
Nordamerikas gegründet haben. Unverkennbar treffen das System
der Zmmobiliar- und Mobiliar-Rechte und die Unterscheidung von
jus in rem und jus in personam in manchen Wirkungen zusammen;
doch bleiben zwischen beiden Eintheilungsweisen noch mancherlei
specifische und namentlich practisch äußerst wichtige und durchgrei-
fende Verschiedenheiten, welche hier im Einzelnen zu verfolgen, uns
zu weit von unserer gegenwärtigen Aufgabe entfernen würde. Wir
wollen daher, um nur eine kurze Andeutung dieser Verschiedenheiten
zu geben, alles in einen Satz zusammenzudrängen versuchen, und
damit zugleich das Kriterium des wesentlichen Unterschiedes zwischen
beiden Systemen aussprechen: „Jedes jus in personam ist, von dem
Standpunete des germanischen Rechts aus betrachtet, auch ein Mo-
biliarrecht; aber nicht jedes jus in rem ist ein Jnnnobiliarrecht im
Sinne des deutschen Rechtes; und umgekehrt ist auch nicht jedes
deutsche Jnnnobiliarrecht (wie z. B. die Retracts-, Zehent-, Zins-,
Frohn- und Bannrechte) ein jus in rem nach römischen Begriffen."
Dem Code civil liegt durchaus die germanische Unterscheidung von
Jmmobiliar-Rechten und Jmmobiliar-Klagen, und Mobiliar-Rech-
ten und Mobiliar-Klagen, sowohl der Terminologie *) nach (actions

') Dem romanistisch gebildeten Ohre mag freilich, wo der Kopf nie
deutsch denken gelernt hat, diese Terminologie barbarisch klinge».
Derjenige aber, der weiß, daß der Begriff der Dinglichkeit im
deutschen Rechte ei» anderer ist, als im römischen Rechte, der
wird sie als sehr bezeichnend erkennen.

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