Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

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Strafrecht des Mittelalters.
denen, durch die sie sich selbst specißsch verletzt behaupten konnte, wie
Verbrechen gegen den städtischen Frieden, Tragen verbotener Waf-
fen, Heimsuchen, Eingehung verbotener Einigungen, Tumult, Auf-
lauf, Eidesweigerung, Ueberfahren des Geleits, Meinftrafen der
Schöffen re.20ß). .Hier setzte die Stadt Bußen an, die sie allein
bezog. Ließ sie daneben noch eine Privatgenugthuung an ihr ver-
letztes Mitglied zu, so löste diese sich immer mehr in den Begriff
des Schadensersatzes auf, während die Buße an die Gemeinde die
Natur einer wahren Geldstrafe annahm. Dieß geschah aber immer
mehr, zunächst bei Delikten, die als Friedensbruch an der Stadt er-
schienen, — ein sehr elastischer Begriff, unter den leicht auch Pri-
vatverbrechen gezogen werden konnten. Die Delikte gegen die äus-
sere und innere Sicherheit des Gemeinwesens, wohin besonders auch
die Verletzungen des öffentlichen Kredits gehörten 207), bildeten um so
mehr den Mittelpunkt für die allmälige Entwicklung eines besonder»
städtischen Strafrechts, als die städtischen Behörden in ihrer admi-
nistrativen und polizeilichen Eigenschaft ohncdieß ein sehr umfangrei-
ches strafrechtliches Gebiet, das dem Lehensstaat so gut als ganz
fehlte, als ihre Domäne hergebracht hatten Auch diejenigen
Vergehen, bei deren Bestrafung erst eine andere Behörde konkur-
rirte, nahmen dann allmalig von selbst den Charakter des besonder«
städtischen Strafrechts an, wo auch nicht der Rath die ganze Straf-
justiz geradezu in die Hand bekam 209). Oft erschien in solchen Fäl-
len das städtische Recht als das mildere, — eben um ein Blutge-
richt mittelbar um seine Kompetenz zu bringen. Sobald dieß aber
erreicht war, wurden die Zügel sogleich wieder straffer ungezogen,
besonders wenn die Stadt keine aristokratischen Sympathice,i mehr
zu fürchten oder zu schonen hatte. Die Entwicklung der Buße zur
Geldstrafe, der dann andere öffentliche Strafen substituirt wurden,
war nun freilich den städtischen Gerichten nicht eigenthümlich; ja,
sie ging in den (namentlich den größeren) Landesherrschaftcn zum

206) Donandt II. S. 299. 300. Zöpfl S. 122 — 125. Warnkö-
nig, flandr. R.G. Hl. S. 240 — 245.
207) Donandt H. S. 305 ' 305. Bamb. Stadtr. §. 84—90. 146.
208) Bamb. Stadtr. tz. 202. Donandt H. 302. 503. Etat. v. Celle
bei kukl'enä. I. app. 236.
209) Urk. bei Donandt II. S. 277 — 280.

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