Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Strafrecht des Mittelalters.

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thum wenigstens eine mit der neuen landesherrlichen konkurrirende
Gewalt erhalten blieb 9I)/ vermöge deren der Kaiser noch überall,
wo er hinkam, selbst zu Gericht sitzen und alle noch nicht rechts-
hängigen Klagen entscheiden, daher auch die kaiserlichen Gerichte
noch alle derartigen Klagen annehmen, überdieß aber der Kaiser
den unter einem Landesherrn gesessenen freien Leuten beliebig Rechte
und Privilegien verleihen konnte, wodurch jene in der Ausübung
der ihnen verliehenen Hoheitsrechte beschränkt wurden. Bemühte
man sich doch lange vergebens, das allmälig sich entwickelnde Ver-
hältniß der Landeshoheit durch einen angemessenen Ausdruck zu be-
zeichnen. Seit dem Ende des 12ten Jahrhunderts ging es jedoch
hiemit rascher voran, und in demselben Verhältnisse sank die Macht
des Kaiserthums, das die Ausführung seiner Befehle nur noch den
Landesherrn und Reichsvögten anvertrauen, und keine ständige Be-
hörde von bloßer Amtsnatur mehr schaffen konnte. Von da an
mußten denn auch diejenigen, die nur unvollständige Landeshoheit
hergebracht hatten, eine größere oder geringere Abhängigkeit von
den in der Entwicklung zur Selbstherrlichkeit weiter Vorangeschrittenen
anerkennen 93).
Der Zustand der Gährung nun, welcher der vollen Entwick-
lung dieser Verhältnisse vorherging, machte zuvörderst allen denen,
welche mit mehr oder minder Glück zur Souveränetät sich empor-
arbeiteten, eine Pflicht der Selbfterhaltung daraus, sich jeder Ge-
richtsbarkeit zu entziehen, deren Anerkennung für sie die der Land-
säßigkeit würde in sich geschlossen haben. Sie mußten wo möglich
in den Stand der Semperfreien zu kommen suchen, über deren Le-
hen und Erbe, Ehre, Leib und Leben nur der Kaiser richtete 93).
War es nun auch nicht möglich, durch Standeserhöhung in den Her-
renstand zu gelangen, so wurde es doch durch andere Umstände, be-
sonders die theilweise Verwischung der alten Gerichtssprengel er-
leichtert, und ein Anhalt für das Streben nach der Erhaltung der
Reichsunmittelbarkeit lag in der längere Zeit hindurch fortgehenden
Erhaltung kaiserlicher Pfalz-, Hof- und Landgerichte, die noch als

91) Sachs. L.-R. III. 60. Schwab. L.-R. (Laßb.) §. 133. Urk. bei
Eichhorn II. §. 293. not. b. c.
92) Eichhorn II. §. 291 - 300. III. §. 396. 400. 418.
95) Sachs. L.-R. 111.55. Eichhorn II. §.293. not b. §.337. not. n.

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