Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Strafrecht des Mittelalters. 4$
die Sprengung des Königthums, indem es selbst durch das Zusam-
menwirken dieser Macht mit den Magnaten gesprengt wurde 40>
Nur freilich war, wie gesagt, sein Untergang nicht auch der seiner
Idee, da nur eben jene Magnaten an seine Stelle einrückten.
Unter den Momenten, welche die steigende Macht der Herzoge,
und sofort der andern Großen des Reichs begünstigten, war eines
der wirksamsten der Anhalt, den ihr Antagonismus gegen den Kai-
ser bei der Kirche fand *l). Seit Karl d. Gr. hatte das Pabstthum
in seinem bis dahin unentschieden gebliebenen Kampfe mit den An-
sprüchen der Bischvffe entschieden den Sieg errungen. Seitdem suchte
es die absolute Einheit der in ihm centralisirten christlichen Kirche
in einem doppelten Kampfe durchzusctzen: im Widerstande gegen die
Nationalkirchen, und im Kampfe gegen den Staat. In diesem Kampfe
aber hatte es, dem Kaiserthum gegenüber, die mächtigsten Verbün-
deten an den deutschen Fürsten, die eben so lange, als sie noch nicht
dem Kaiserthum die Souveränetät entrissen hatten, auch noch nicht
als Vertreter der Staatsidec auftraten und auftreten konnten 42}.
Auch die auf die Schwächung des Königthums gerichteten Be-
strebungen der Fürsten dienten indessen zugleich zu seiner Erhaltung,
da sie seiner Koncession bedurften, um die Oberherrlichkeit über die
nachdrängenden kleineren Herren und Vasallen zu behaupten. Die-
selben Verhältnisse nämlich, welche ihnen einen wesentlichen Theil
der Staatsgewalt zugebracht hatten, waren auch bei kleineren Herr-
schaften wirksam gewesen; ja, es hatte gerade der Kampf des Kö-
nigthums mit dem Herzogthum den Uebergang des Grafenamts in
das erbliche Eigenthum der Inhaber wesentlich befördert und ent-
schiedener werden lassen, als beim Herzogthum selbst "). Nun hat-
ten zwar die Herzoge im Heerbann ein Mittel, die kleineren Herren
unter ihre Lehensherrlichkeit zu bringen; aber theils gelang dieß
nicht überall, theils lag in dem Rechte der Gerichtsbarkeit, das auch
so vielen kleineren Herren verliehen war, ein solcher Keim von Selbst-
herrlichfeit, daß nothwendig das Streben bei ihnen entstehen mußte, sich
auch in andern Beziehungen unabhängig zu machen. Ueberall wirk-

40) Eichhorn ll. §. 254. a. E. Stälin I. S. 554.
41) Eichhorn II. §. 209. Stein III. S. 299 ff.
42) Eichhorn II. §. 251.
45) Stälin I. S. 554.

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