Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

3. Neue Durchsicht der Lehre von den Quellen des Rechts

I.

Nene Durchsicht -er Lehre von den Quellen
-es Rechts.
Von
Dr. /rie - rich Wilhelm Unger
in Göttingen.

§. 1. Gegenwärtiger Stand dieser Lehre.
Wenn man fragt, was außer dem Gesetze noch als Rechts-
quelle anzuerkennen sei? so erhält man von den bedeutendsten juri-
stischen Schriftstellern sehr verschiedene Antworten. Darüber sind
alle einig, daß es außer dem gesetzlichen Rechte auch ein ungeschrie-
benes Recht, ein Gewohnheitsrecht gebe, aber die Natur desselben
bestimmen sie nicht auf gleiche Weise. Denn während die Einen
seine Verbindlichkeit auf die stillschweigende Gewährung der Staats-
gewalt stützen, betrachten die Andere dasselbe als eine im Volke le-
bende Rechtsüberzeugung, welche keiner weitern Genehmigung be-
dürfe. Ferner glauben Einige, das ganze Rechtsgebiet durch die
Eintheilung in Gesetz und Gewohnheitsrecht erschöpfen zu können,
während Andere daneben noch eine dritte Rechtsquelle aufführen,
welche bald der Gerichtsgebrauch, bald das Juristenrecht oder das
wissenschaftliche Recht sein soll.
Ueber dieses Schwanken der Ansichten darf man sich nicht wun-
dern. Obgleich die Frage nach den Quellen einer Wissenschaft im-
mer am nächsten liegt, obgleich man ihre Beantwortung gar nicht
umgehen kann, so ist doch die Entwickelung der Rechtswissenschaft
einer glücklichen Lösung derselben höchst ungünstig gewesen.
Die wissenschaftliche Behandlung des Rechts ist für uns von
Rom ausgegangen, denn das juristische Material der heiligen Bü-
Zritschrist f. deutsches Recht i». Dd. i. H. i

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