Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

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Entstehung und Fortbildung der Jury.
für ihre Mühwaltung Bezahlung erhalten, ist in der PeelSakte bei-
behalten worden. Wenn endlich die Ausschließung der Geistlichen
und Beamten von der Jury durch die Natur der Sache sich recht-
fertigt, so liegt doch kein Grund vor, warum noch heutigen Tags
das englische Recht auch die Aerzte, die Advokaten, die Offiziere,
Doktoren, Prokuratoren, Apotheker rc. ausschließt.
Endlich muß hier auch bemerkt werden, daß derselbe Charakter
der Planlosigkeit sich in der englischen Gerichtsverfassung ausspricht.
Wohl bildet eigentlich der königliche Gerichtshof zu Westminster den
Mittelpunkt der gesummten englischen Strafrechtspflege, indem er
theils unmittelbar in erster und zweiter Instanz, theils mittelbar durch
seine Kommissäre in den Assisen diese Justiz ansübt. Es hat sich
jedoch die Jurisdiktion des königlichen Hofs längst durch die der
Friedensrichter ergänzen müssen, welche theils ohne Jury summa-
risch, theils mit Jury in den Vierteljahrssitzungen den größten Theil
der vorkommenden Straffälle abmachen. Daneben besteht aber nicht
nur das Oberhaus als Staatsgerichtshof und Gericht über die Pairs,
dem außerdem noch Andres überwiesen ist, sondern auch eine Reihe
andrer Gerichte, geistliche, Universitätsgerichte, das Admiralitätsge-
richt u. a. hat sich erhalten. Dazu ist nirgends weder eine prinzi-
pielle Abgrenzung der Kompetenzen, noch ein organisirter Jnstanzen-
zug vorhanden. Da die Friedensrichter nicht Rechtsgelehrte zu sein
brauchen, so wird nicht einmal der Grundsatz festgehalten, daß je-
des Kriminalgericht wesentlich ein juristisches Element enthalten muß.
Auch die Klassifikation der Verbrechen beruht überall auf keinem fe-
sten Prinzipe, wie überhaupt das englische Strafrecht ein bunte-
Durcheinander positiv rechtlicher Bestimmungen umfaßt, die sich nicht
zum Systeme abrunden lassen.

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