Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Entstehung und Fortbildung der Jury. 44K
Funktion. Im erster» Falle indessen liegt noch die unangemessene
Vorstellung zu Grunde, als ob hier die Krone gewissermaßen die
verletzte Privatpartei wäre; im letzteren muß der Privatangeber für
die Fortsetzung des Prozesses und die Bezahlung der Kosten im Falle
der Freisprechung Kaution leisten. Zwar hat nun auch der königli-
che Gerichtshof das Recht, wenn im Laufe eines Civilprozeffes ein
Verbrechen zu Tage kommt, hievon von Amtswegen Kunde zu neh-
men und den Kläger damit an die Assisen oder Vierteljahrssitzungen
zu verweisen, und außerdem gibt es noch eine Art von Informa-
tion, wo eine Anklage wenigstens zum Theil im Namen des Königs
(und zum Theil im Namen eines Privatmanns) angestellt wird;
doch ist es wohl klar, daß im erster« Fall das amtliche Einschreiten
vom Zufall abhängig gemacht wird, während es sich im letzteren
blos um ein fiskalisches Interesse handelt. Im Amte des Koroners
liegt gleichfalls die Pflicht zur amtlichen Einschreitung; aber diese
früher sehr ausgedehnte Pflicht ist auf zwei Falle zusammengeschrumpft:
auf Tödtung und Verheimlichung gefundener Schätze. Bekannt ist
ferner die Vortrcfflichkeit der englischen Polizei, die natürlicher Weise
das Recht und die Pflicht hat, allen begangenen Verbrechen nachzu-
spüren und die Thater ausfindig zu machen. Dessenungeachtet leuch-
tet ein, daß mit all dem das Untersuchungsprinzip nur sehr dürftig
in Wirkung gesetzt ist. Aus Eifersucht gegen die Krone, die doch
als Vertreterin der Staatsinteressen gilt, bleibt ihr und ihren Be-
amten gleichwohl nur ein geringer Spielraum zugemessen.
Ebensowenig ist aber andererseits das Rügerecht der Gemeinde
mehr von großer Bedeutung. Denn obwohl die große Jury noch
immer das Recht hat, aus eigener Wissenschaft Verbrechen zu rü-
gen, so liegt es doch in der Natur ihrer Zusammensetzung, daß sie
- nur selten in den Fall kommt, dieses Recht zu üben. Wie vernünf-
tig und heilsam es auch war, daß im Mittelalter die Gemeinde zum
Organ des Untersuchungsprinzips gemacht wurde, so ist es doch un-
ziemlich, wenn eine Einrichtung, die zur Zeit der Kämpfe um die
Organisation des modernen Staats am Platze erschien, auch längst
nach Vollendung dieser Organisation noch beibehalten wird. Es muß
daher mit Grundsätzen ausgeholfen werden, die in den modernen
Staat nicht mehr passen, z. B. daß man wegen Nichtanzeige von
Verbrechen, von deren Verübung man Kenntniß hatte, strafbar ist,
daß jeder Bürger, in dessen Gegenwart eine Felonie begangen wird,
29 *

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer