Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

O9

Köstlin:
festen und ausgeübt wird, so ist Deutschland niemals zum Ertrem
der Entwicklung dieses Gedankens, dem gänzlichen Zusammenfallen
der Souveränetät selbst mit dem Grundbesitze, fortgeschritten. Hie-
vor bewahrte eben die rechtliche und faktische Anerkennung jener hö-
heren, im Kaiserthum sich darstellenden Einheit, daher denn auch
das Kaiserthum fortwährend als die Quelle aller politischen Wur-
den, Aemter und Ehren angesehen wurde. Andererseits vermochte
aber diese Anerkennung die Bewegung nicht zu verhindern, vermöge
deren auch in Deutschland die wirkliche politische Macht sich an den
Grundbesitz kettete, daher die Form der Erblichkeit und alsbald des
Eigenthums annahm, das man nur noch vermittelst des Lehensban-
des an jene höchste Quelle, das Kaiserthum, anknüpfte. Hier trat
also als das Charakteristische der Widerspruch hervor, daß zwar die
Souveränetät 6e jure dem Kaiserthum, als dem Vertreter der Staats-
einheit zugeschrieben wurde, daß aber dieselbe äe f«eto vielmehr
Schritt für Schritt an die mit den Reichsämtern bekleideten Grund-
herrn kam, ohne daß diese doch wagten, die allmälig zur vollen
Souveränetät reifende Landeshoheit auch wirklich mit dem Namen
derselben zu bezeichnen, obgleich die kaiserliche mehr und mehr zum
Schattenbilde wurde.
Auch in Deutschland kam die Vergabung der Domänen und der
königlichen Rechte behufs der Gewinnung der geistlichen und weltli-
chen Aristokratie unter den Nachfolgern Karls d. Gr. immer mehr
in Gebrauch, je mehr es ihnen an der Macht gebrach, den durch
Karl gegründeten Staat durch seine eigene Schwerkraft sich behaup-
te» zu lasten. Allein die Verhältnisse waren hier andere, als in
Westfranken "). Schon in Austrasien standen keineswegs alle freien
Franken in dem Verhältnisse der leuäes und der damit zusammen-
hängenden Dienstpflicht, noch weniger bei den übrigen Stämmen.
Das Krongut war hier viel seltener, und der allgemeine gesellschaft-
liche Zustand ließ verhältnißmäßig viel wenigere Personen in das
Dienstgefolge des Königs und die Stellung der Antrustionen auf-
steigen. Wenn gleich daher in demselben Verhältnisse, wie hier das
Königthum festeren Fuß faßte, sich auch ein Herren- und Vasallen-
stand ausbildete, so geschah dieß doch in weit geringerem Umfange,
und daher auch mit viel beschränkterer Wirkung auf die große Masse
:pU-i---:-—.
1v) Warnkönij, franz. R.Gesch. I. S. 131.132 und die dort Angef.

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer