Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

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Plarner:
geht, kein Rechtsinstitut zwischen dinglichem und persönlichem Cha-
rakter unbestimmt hin und her schwankt.
Der Code civil hat dieses System nur mit der Ausnahme an-
genommen, daß er den dritten Haupttheil, statt mit Obligationen-
recht, mit den Worten: „von den verschiedenen Arten Eigenthum zu
erwerben" (des differente« manieres dont on acquiert la proprield)
bezeichnet, und hier nicht blos die verschiedenartigsten Verträge, son-
dern auch das Erbrecht abhandelt, eine unsystematische Auffassung,
welche nicht allein von den Widersachern des Code *), sondern auch
von denjenigen, welche ihm viele Vorzüge zugestehen, gerügt wird^).
Obgleich der Code einen nicht geringen Theil französischer Gewohn-
heiten enthält, so waren diese doch principiell zu wenig wichtig, um
ein eigenthümliches System nothwendig zu machen; auch ließ die
Frist von drei Monaten, innerhalb welcher der Gesetzentwurf zu
Stande kam, eine sorgfältigere Beachtung des Systems nicht zu.
Die Unterschiede der Stände und der Grundverhältnisse, welche als
zwei Hauptgegenstände nicht allein des deutschen, sondern auch des
ftüheren französischen Rechts auf daö System hätten einwirken kön-
nen, waren bekanntlich durch die Revolution vollständig aufgehoben.
Das östreichische Gesetzbuch, welches nach Art der Institu-
tionen allgemeine Rechtsgrundsätze anfstellte, hat aus diesem Grund
. mit der Allgemeinheit eines Institutionen - Compendiums auch dessen
System im Ganzen angenommen.
Das preußische Landrecht, welches vorzugsweise das römi-
sche Privatrecht ersetzen sollte, hat sich in seinem System nicht an
das römische gehalten. Diese Eigenheit wurde durch seinen Zweck,
nicht allein für das Privatrecht, sondern auch für Criminal- und
Kirchenrecht Bestimmungen festzusetzen, und durch die Berücksichtigung
deutscher Rechtsinstitute herbeigeführt. Während die römischen In-
stitutionen im ersten Theil von den Personen handeln, folgen im
ersten Theil des preußischen Gesetzbuches nach allgemeinen Bestim-
mungen über Person, Sache, Handlung, Vertrag re. (Tlt. 1 — 9)
Bestimmungen über den Erwerb des Eigenthums, über dessen son-
stige Rechtsverhältnisse und über die Verträge. Diesen ersten Theil,

1) v. Gavigny a. a. O. S. 66.
r) Zöpfl, «her das germanische Element im Civilrecht, in der Zeit-
schrift für deutsches Recht Bd. V. Rr. V. S. 119.

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