Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Beitrag zu einem deutschen Gesetzbuch. 380
Die Gelehrten des Kaisers konnten, sofern nicht ihr Herr selbst
sie drängte, ihre Aufgabe mit der größten Ruhe vollenden. Denn
keine Sturmpetitionen des Volkes brachten, wie zur jetzigen Zeit, des-
sen Forderungen als wohlbegründete Rechte vor die kaiserliche Kom-
mission, sondern die Vorgesetzten der einzelnen Provinzen berichtete«
über streitiges Recht an den Kaiser, welcher nach seinem Willen un-
umstößlich entschied. Die Commission war durch Befehl des Herr-
schers ermächtigt, die der Zeit angemessenen Veränderungen mit dem
Nechtsstoff vorzunehmen; was sie kraft ihres Auftrags zum Gesetz-
buch sammelte«, mußte vom Volke anerkannt werden, und eine kai-
serliche Konstitution half, wenn in einem Fall das Gesetzbuch nicht
ausreichte, aus dieser Verlegenheit. Dagegen ist die Aufgabe unse-
rer Gesetzcommission eine weit schwierigere. Denn während in Rom
sich die eine städtische Gesetzgebung allmählich ohne große Mühe zu
einer einzigen Reichsgesetzgebung erweiterte '), so sollen sich bei uns
die vielen Landesgesetzgebungen zu einer einzigen Reichsgesetzgebung
vereinigen. Wenn schon die verschiedenen Staaten sich hier leichter
unterwerfen werden, als bei politischen Fragen 2), so werden doch
die einzelnen Stämme nicht ohne Widerstand einen Theil ihres her-
gebrachten Rechts aufgeben.
Ferner: im römischen Recht waren keine verschiedene Rechts-
stoffe unorganisch nebeneinander gestellt. Der größte Theil des Rechts
beruhte auch zur Zeit Iustinians auf den klassischen Schriften der
Rechtsgelehrten, welche das Recht überall organisch fortentwickelt
hatten. Wenn auch die. Ansichten einzelner Schulen, wie die der
Sabinianer und Proknliancr, sich hier und da entgegenstanden, so
fand doch in der Auffassung der Grundprincipien keine ganz entge-
gengesetzte Meinung statt, höchstens daß die Einen nicht so streng
wie die andern an dem Formellen hielten, und der se^uitss freieren
-Lauf ließen. Auch waren die späteren Verordnungen und Zusätze
der Kaiser, wenn sie gleich oft keinen Sinn für die organische Fort-
bildung des Rechts bewiesen, nicht abweichend und zahlreich genug,
um solche zu unterdrücken. Die Kommission hatte fast nur den in
den Constitutionen und in den Schriften der Juristen zerstreuten Stoff
zu sammeln und zu ordnen, sie hatte mehr eine compilato«fche, ge-

4) Beseler a. «. O. S. 347.
r) v. Wydenbrugk a. a. D. Held a. a. O.

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