Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Beitrag zu einem deutschen Gesetzbuch. 973
Recht eine Menge von besonderen Nechtsinstituten, welche oft schwer
die gemeinsame deutsche Grundlage erkennen ließen.
Vorzugsweise waren bis jetzt die unmittelbar mit dem Grund-
besitz oder mit der Geburt zusammenhängenden Institute des deut-
schen Privatrechts Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung *),
während die allgemeinen Rechtslehren, sowie die Obligationen we-
niger beachtet wurden. Da diese Eigenheit im innigen Zusammen-
hang mit der historischen Entwickelung unseres gesummten RechtS
steht, so glaube ich auf diese zum besseren Verständniß der Jetztzeit
etwas tiefer eingehen zu müssen.
. In der ersten Periode des deutschen Rechts sind das physisch
kräftig ausgebildete Individuum und der Grundbesitz die zwei Mächte,
von denen das Recht getragen und beherrscht wirdDenn ohne
Verbindung mit dem Grund und Boden, losgerissen von der Erd-
scholle treten nur sehr wenige Rechtöinstitute als selbständig und für
sich bestehend auf. Zwar überwiegt bei weitem die lebendige Macht
der thatkrästigen Willensstärken Person den Einfluß des leblosen
Grundbesitzes, welcher nur den Boden zu dessen freier und voller
Rechtsentwickelung bildet. Aber doch herrscht im Ganzen zwischen
beiden durchgängig Eintracht, und selten erhebt sich zwischen den
rechtlichen Ansprüchen des einzelnen Individuums als solchem und
zwischen denen eines Inhabers von Immobilien ein Widerspruch.
Die juristische Bedeutung des Menschen im Staats- und im Privat-
leben steigt oder fallt, vergrößert oder vermindert sich je nach seiner
freien oder unfreien rechtlichen Einwirkung auf den Grundbesitz.
Die unmittelbar auf ihm beruhenden Rechtsverhältnisse bleiben
vermöge seiner ewigen Dauer längere Zeit hindurch, auch unter ver-
änderten Formen, in ihren Grundprincipien fest und unverrückt be-
stehen, sie werden gleichsam in den Boden eingewurzelt und mit ihm
verwachsen, so daß sie selbst wie ihre Objekte und Inhaber erdzähe
und naturwüchsig erscheinen. Sie bieten durch ihre concrete Unter-
lage und durch ihre gleichbleibende Natur der freien Forschung ein
bestimmt abgeschlossenes anschauliches und auf diese Weise anziehen»
des Gebiet dar.
1) Siehe auch Fischer a. «. O. S. 49.
2) S. auch Zachariä von Lingenthal, die Hauptstufen in der Ent-
wickelung des deutschen Rechts, in der Zeitschr. für deutsch. Recht.
Bd. VH. Nr. X.

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