Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Deutsche Wechselordnung. 355
giebt nur über die im Fall der Versendung zum Accepte eintretenden
eigenthümlichen Verhältnisse besondere Vorschriften.
„Da mehrere Exemplare nur eine Wechselverbindlichkeit bilden und
beurkunden sollen, so ist es nöthig, daß ihr Zusammenhang aus dem Inhalt
derselben erhelle, also jedes Exemplar als prim», »«eunda, tertia bezeichnet
werde, widrigenfalls ein jedes derselben als ein für sich bestehender Wechsel
behandelt werden muß.
„Bei beobachteter Form nimmt der Entwurf den Grundsatz an, daß
alle Exemplare zusammen, aber auch alle einzelnen Exemplare den
ganzen Wechsel repräsentiren. Daraus folgt die Regel, daß mit der
Zahlung eines Exemplars alle ihre Kraft verlieren. Ein besonderer Ver-
merk in der Secunda, Tertia, daß die darauf geleistete Zahlung die Wir-
kung der übrigen vernichte, scheint nicht nothwendig, aber die Regel des
Art. 63 (67) muß gewiße Ausnahmen erleiden.
„Es ist nämlich zunächst möglich, daß der Inhaber des Wechsels aus
Versehen oder betrügerischer Weise die verschiedenen Exemplare an ver-
schiedene Personen indossirt. Dadurch kann er die Verbindlichkeiten
seiner Vormänner und des Ausstellers nicht erschweren; sie haften immer
nur einmal und müssen deshalb durch jede vom Bezogenen auf eines der
Exemplare geleistete Zahlung befreit werden. Der Indossant selbst aber,
der zweimal Valuta empfängt, muß auch jedem der beiden Indossatare,
namentlich also demjenigen, welcher nicht zur Hebung gelangt, weil ihm
der andere zuvorgekommen ist, zum Wechselregresse verpflichtet seyn.
Dasselbe gilt von denjenigen, welche nach einem solchen doppelten In-
dossament verschiedene Exemplare weiter girirt haben, sie haften bei jedem
Exemplare ihren Hintermännern. Wird von dem Bezogenen ein Exemplar
durch Zahlung eingelöst, so werden die Verbindlichkeiten aus den auf
diesem Exemplar stehenden Indossamenten gelöst; die Indossamente auf
den anderen Exemplaren müssen aber in Kraft bleiben. — Aehnlich ver-
hält es sich mit dem Accepte. Dasselbe bildet einen für sich bestehenden
Grund der Wechselverbindlichkeit. Hat demnach der Acceptant mehrere
Exemplare acceptirt, oder hat er sich bei einer Zahlung nicht das accep-
tirte Exemplar zurückgeben lassen, so muß er dem Eigenthümer eines
acceptirten Exemplars aus seinem Accepte vor wie nach verhaftet bleiben.
Diese Ausnahmen von der Regel enthalten die Nro. l und 2 Art. 63 (67)."
„Die Vorschriften im Art. 64 und 65 (68. 69) betreffen den Fall,
wenn ein Exemplar des Wechsels zum Accept versendet und ein anderes
in Umlauf gesetzt wird. Daß auf dem letzteren vermerkt werden soll,
wo und wann das erstere zu pfänden ist, bestimmt schon das allgemeine
Landrecht §. 952. Wie es aber mit der Verwahrung und Aufsuchung
und wie es in dem Fall gehalten werden soll, wenn der Eigenthümer das

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