Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

Deutsche Wechselordnung. 343
selordnung durch die Annahme des von Hamburg gestellten Antrages bes-
ser als durch die Verwerfung desselben ausgesprochen worden. Wenn man
so weit geht, wie die Wechselordnung, so ist ein Schritt weiter nur fol-
gerecht, Entweder dasIndossament — das ausgefüllte, oder das
nicht ansgefüllte — ist nur ein Bemeismittel der rechtlich über-
tragenen Wechselforderung: alsdann muß der Gegenbeweis über-
all zulässig erscheinen, und die Bestimmung des Art. 74 ist nicht folge-
recht; denn wenn die Falschheit des Beweismittels nachgewiesen wird,
wenn die Uebertragung von einem der Wechsel-Inhaber unbefugterweise
geschehen ist, so sind alle seine Nachmänner nicht legitimirt; derjenige ist
alsdann nur für die Wechselforderuug legitimirt, der sie ursprünglich selbst,
oder von einem berechtigten Indossanten erworben hat; diesem gebührt
alsdann auch die Urkunde, der Wechsel, worauf die Wechselforderung ver-
zeichnet ist, und er kann sie von dem Besitzer fordern, gleich viel, ob die-
ser sie in gutem Glauben besitze, oder nicht. Oder der Inhaber ei-
nes indossirten Wechsels wird durch eine zusammenhän-
gende, bis auf ihn hin unter gehende Reihe von Indossa-
menten unbedingt Herr der Forderung — mögen diese Indos-
samente acht oder falsch sein - wenn sich nur der Inhaber in gutem
Glauben befindet: in diesem Falle war der von Hamburg beantragte
Zusatz unbedenklich und zur Entscheidung von Streitfragen nützlich; in
diesem Fall aber war auch die Zulassung von Wechseln auf den Inha-
ber gerechtfertigt, mithin der Art. 4 (3) der Wechselordnung nicht ge-
rechtfertigt; denn wenn einmal auf den Besitz des Wechsel-Dokuments
der Hanptwerth gelegt wird —- auf falsche Indossamente kann man ja
wohl keinen großen Werth legen und selbst nicht auf ächte Blanko-In-
dossamente eines Wechsels, der durch die Hände von Dieben gelaufen ist
— so ist hiermit der entscheidende Grund für die Zulassung von Wech-
seln auf den Inhaber gegeben. (Vergl. hierüber meine Abhandlung in
der Zeitschrift für deutsches Recht XI, i. §. 8.)
Ans dem Geiste des Wechfelwesens, gegen die Ansicht von Scherer,
Thl. III. S. 169 und anderer Schriftsteller, folgert Treitschke in sei-
ner Encyclopädie der Wechselrechte, II. S. 602, daß der redliche Erwer-
ber eines durch falsches Indossament übertragenen Wechsels ohne Weite-
res Zahlung desselben fordern könne. (Vergl. ferner Treitschke das.
I. S. 421.) Damit scheint es nicht nbereinzustimmen, wenn derselbe
Schriftsteller (Thl. II. S. 816) die Zahlung eines Wechsels vor Verfall wi-
derräth, weil damit Gefahr in Hinsicht auf die Legitimation des Empfängers
verknüpft sei, und weilIedem, der etwa ein besseres Recht haben sollte,
möglichst lange Zeit gelassen werden müsse, sich damit zu melden. — Eine
positive Gesetzgebung ist über einen so wichtigen Gegenstand, wo man

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