Full text: Volume (Bd. 12 (1848))

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Reyscher:
als Hülfsrecht hingewiesen ist, wurde durch ein bairisches Gesetz
vom 11. September 1825 für den ganzen Oberdonaukreis (jetzt
Schwaben und Neuburg) als unmittelbare Quelle anerkannt.
Indessen hatte das Ansehen einzelner Platzrechte auch wieder
eine gewisse Gemeinsamkeit zur Folge. Die Verwandtschaft, welche
im Mittelalter unter den Stadt- und Land-Rechten bestand, wurde
auch jetzt wieder in ähnlicher Weise wie früher vermittelt. Bei
Einführung des Wechselrechts in einer Stadt oder in einem Lande
wurde dieses oder jenes auswärtige Wechselrecht zu Grund gelegt
oder doch darauf als Hülfsquelle verwiesen. Den größten Ein-
fluß erlangte in dieser Weise das Leipziger Wechselrecht. Die-
ses liegt nicht blos der Breslauer und Magdeburger Ordnung,
sondern auch dem sächsischen, anhaltischen und östreichischen Wech-
selrecht zu Grund. In der württembergischen Wechselordnung von
1759, wodurch die Wechselstrenge gegen den Willen der Landschaft
eingeführt wurde, ist zwar die Leipziger Wechselordnung als Subsi-
diarrecht anerkannt, allein der Verfasser hat sichtbar nicht diese,
sondern die Brandenburgische Ordnung von 1724 benützt. In nahe-
zu gleichem Ansehen wie das Leipziger Wechselrecht stand die Frank-
furter Wechselordnung von 1739, welche nicht blos in der Mark-
grafschaft Baden bis zur Einführung des badischen Landrechts
(1810), sondern auch in den hessischen Landen als Richtschnur diente.
Einen großen Schritt zur Einheit des Wechselrechts that schon
die preußische Gesetzgebung des vorigen Jahrhunderts. Durch die
Wechselordnung Friedrichs II. v. I. 1751 und nachher durch das
allgemeine Landrecht von 1794 (Th. II, Tit. 8. §. 713—1249) wurde
das Wechselgeschäst auf eine umfassende und gleichförmige Weise
für die sämmtlichen Bestandtheile der damaligen preußischen Monar-
chie bestimmt. In den preußischen wie in den übrigen Rheinlanden
wird jedoch der code de commerce angewendet, welcher in einer
deutschen Umarbeitung auch für Baden seit 1810 Gültigkeit erlangte.
Denselben Code legen auch mehr oder weniger die neueren umfas-
senderen Gesetze und Gesetzes-Entwürfe einzelner deutschen Staa-
ten in Wechsel-Sachen zu Grund. Doch hat sich die Geneigtheit,
etwas Absonderliches zu bestimmen, in diesen Partikular-Versuchen,
so sehr ausgesprochen, daß bei weiterer Thätigkeit auf dem bis-
herigen Wege die Rechte der einzelnen Staaten unfehlbar viel
weiter auseinander gekommen wären, als die Rechte früherer Zeit.

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