Full text: Zeitschrift für deutsches Recht und deutsche Rechtswissenschaft (Bd. 12 (1848))

Der Sachsenspiegel und daß Bergregal. 276
wüster Grund und Boden wurde angebaut; er erhielt voigteikiche
Rechte über die neuen Ansiedler und einen Antheil von dem Ertrag
der Bergwerke. Namentlich in letzterer Beziehung konnte er mit
den Bergleuten weiteres Uebereinkommen treffen, so daß es gewiß
auch vorgekommen sein wird, daß er bei dem Bergbau sich selbst
mit betheiligte und also mit den Bergleuten auf gemeinschaftlichen
Gewinn und Verlust baute. Auch die z. B. von Hüllmann Ge-
schichte der Regalien S. 64. ff. dafür angezogenen Urkunden, daß
vor der Zeit der Regalität der Bergbau dem Grundeigenthümer
zugestanden habe, schließen die Annahme nicht aus, daß hier von
Bergwerken die Rede ist, die Andere wenigstens theilweise betrieben,
in Bezug auf welche aber der Grundherr Nutzungs - und andere
Rechte (die Voigtei) hatte. Wie oft kommt in späterer Zeit z. B.
die Veräußerung eines Dorfes vor, worunter ja auch nur die
Rechte, die der Herr im Dorfe hatte, zu verstehen sind.
Ob die Idee des freien Bergbaues in dieser Art eine ur-
sprünglich teutsche ist, oder ob sie etwa aus Griechenland stammt,
wie schon Andere vermuthet haben, und die Donau herauf mit den
Bergleuten erst zu uns gekommen ist, müssen wir zur Zeit noch
dahingestellt sein lassen.
Ebenso bedarf es noch einer weiteren Untersuchung, ob die
Römer das freie Schürfen anerkannten oder nicht. In einzel-
nen Gegenden war es sicher der Fall z. B. L. 13. §. 1. P. com-
munia praed. (8. 4.) Wenn aber unsere Romanisten z. B. Thi-
baut, Pand. 8.582. Wening, Civilr.II. B. §.11. Vangerow,
Pand. Th. 1 S. 481. Note 5. Puchta, Pand. §. 145. wegen L.
3 und 6. C. de metal. (11,6) freies Schürfen anerkennen, so
hat darauf wohl unser heutiges Recht eingewirkt Vgl. Fla de röm»
Bergw. S. 83. Steinbeck, Geschichte S. 13.
Wir bemerken nur noch, daß diese Idee eine tief im Volke
eingewurzelte ist, wie sich aus folgender Stelle eines, freilich erst
spät ausgezeichneten Weisthums (Grimm, Weisth. II. S. 575.)
ergibt. Hier heißt es nämlich in Bezug auf die Schürffreiheit:
„denn das Bergrecht ist stark, und noch König, noch Herzog, noch
Graf kann dagegen, wenn die Bergleute wollten graben in einem
Kohlgarten und von dort bis unter eines Menschen Schlafkammer."
Der Ansicht, daß der Bergbau in der gedachten Art von jeher in
Teutschland frei war- ist auch der gründliche Bergrtchtsgelehrtt

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